Eltern und Kind

Kinderkrankheiten

Andere Erkrankungen im Kindesalter

ADS und ADHS

Das ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) bzw. das ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit Hyperaktivität) sind Störungen des Verhaltens, in deren Mittelpunkt eine nicht altersgemäße Ablenkbarkeit steht. Beim ADHS (früher auch als hyperkinetisches Syndrom bezeichnet) besteht zudem eine über das Normale hinausgehende Impulsivität und Überaktivität. Da sich auch normale Kinder durch eben diese Verhaltensweisen (Ablenkbarkeit, Impulsivität und Bewegungsdrang) auszeichnen, ist die Grenzziehung zwischen normalem und abnormalem Verhalten im Einzelfall schwer und unter Eltern, Lehrern und Kinderärzten heftig umstritten. Etwa 5 % der Kinder sollen betroffen sein, Jungen wesentlich häufiger als Mädchen (Verhältnis 4:1). Die Diagnose wird bei Kindern seit Jahren immer häufiger gestellt, dabei ist jedoch unklar, ob auch die Zahl der Krankheitsfälle steigt oder nur die Zahl der gestellten Diagnosen.

In der Schweiz ist das AD[H]S auch unter dem (älteren) Begriff POS (Psychoorganisches Syndrom) bekannt. Ein anderer älterer Begriff, nämlich der der minimalen zerebralen Dysfunktion (MCD) wird nicht mehr verwendet.

Die ersten Zeichen treten teilweise schon bei Babys auf, die Erkrankung wird aber meist erst ab dem Kindergartenalter festgestellt. Zunehmend wird klar, dass das AD[H]S auch im Erwachsenenalter fortbestehen kann.

Leitbeschwerden

  • Aufmerksamkeitsstörung: Kurze Aufmerksamkeitsspanne (Spiele/Arbeiten werden nicht zu Ende gebracht), leichte Ablenkbarkeit, ständige „Träumerei“
  • Überaktivität: Auffällige körperliche Unruhe (z. B. ständiges Zappeln, Aufspringen vom Stuhl).
  • Impulsivität: Fehlende Kontrolle über die eigenen Gefühle mit Stimmungsschwankungen, leichter Erregbarkeit, Wutausbrüchen und nicht selten Aggressivität.

Fast alle Kinder zeigen hin und wieder eine dieser Verhaltensweisen. Für die Diagnose eines AD[H]S aber müssen diese Beschwerden über einen längeren Zeitraum und in verschiedenen Umgebungen vorliegen, z. B. in Kindergarten und Familie, Schule und Freundeskreis. Alle Zeichen des AD[H]S können vorübergehend auch bei nicht davon betroffenen Kindern auftreten, z. B. nach besonderen Belastungen (Scheidung der Eltern).

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn Sie nach Rücksprache mit Erziehern oder Lehrern ein AD[H]S bei Ihrem Kind vermuten und sich die auffälligen Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum nicht ändern.

Die Erkrankung

Wie aktiv Kinder sind, ist stark von ihrem Temperament geprägt – und das ist zumindest teilweise angeboren. Zudem brauchen manche Kinder mehr Auslauf als andere, um seelisch ausgeglichen und aufnahmefähig zu sein. Insofern könnte hinter manchen Fällen von „Hyperaktivität“ auch die eingebaute Bewegungsbremse der heutigen Umwelt stecken.

Zudem spielen die Erwartungen der Gesellschaft eine Rolle: Ob ein Kind mit einem bestimmten Verhalten andere stört, hängt auch davon ab, wie Kinder ihren Tag verbringen sollen – stundenlanges Stillhalten gehört nicht zum normalen Verhaltensrepertoire von Kindern.

Andererseits ist bekannt, dass auch endogene Faktoren (also Einflüsse im Kind selbst) die Aufmerksamkeitsspanne beeinflussen bzw. eine Hyperaktivität auslösen können. Hierzu passt, dass bei etwa einem Drittel der AD[H]S-Kinder auch neurologische oder kognitive Auffälligkeiten gefunden werden, etwa Störungen der Feinmotorik, Teilleistungsstörungen, Tics oder Probleme im Bereich der sinnlichen Wahrnehmung. Auch die Tatsache, dass Frühgeborene sowie Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, ein erhöhtes AD[H]S-Risiko haben, spricht für die Theorie, dass hinter einem AD[H]S auch eine gestörte Gehirnreifung bzw. -organisation stecken könnte.

Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten werden in letzter Zeit häufig als Ursache diskutiert. Trotz erheblicher Forschungsanstrengungen ließ sich ein Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln, Nahrungsmittelzusätzen, Konservierungsstoffen (etwa Phosphaten) oder Zucker nicht erhärten. Zucker erzeugt kein AD[H]S.

Sicher ist aber eines: Überaktives Verhalten kann zu einem Problem werden:

  • Zum einen für die Umwelt des Kindes – mit seinem Verhalten stört das betroffene Kind Mitschüler, Lehrer und Eltern teils erheblich.
  • Zum anderen für das Kind selbst – z. B. weil es die Schule trotz guter Begabung nicht schafft, weil es ständige Konflikte mit Freunden, Eltern und Lehrern gibt oder weil es aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Aggressionen oder Depressionen reagiert.

Ist die Überaktivität eines Kindes so stark ausgeprägt, dass es durch sein Verhalten sowohl seiner Umwelt als auch sich selbst „im Weg steht“, wird deshalb zu Recht von einer Überaktivitätsstörung gesprochen.

Uneinheitliche Erscheinungsformen. So uneinheitlich die Definition und die Ursachen des AD[H]S sind, so wenig einheitlich sind auch seine Erscheinungsformen. Je nach Fall werden die drei Hauptmerkmale des AD[H]S, also Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, in unterschiedlicher Ausprägung beobachtet. Diese drei Hauptmerkmale müssen keineswegs gleichzeitig vorliegen.

  • Der vorherrschend unaufmerksame Typ („Hans Guck-in-die-Luft“, „Träumerchen“): Diese Kinder sind leicht abzulenken, ohne hyperaktiv zu sein. Oft handelt es sich dabei um Mädchen.
  • Der vorherrschend hyperaktiv-impulsive Typ („Zappelphilipp“): Diese Kinder haben Probleme mit ihrem ständigen Bewegungsdrang und ihrer Impulsivität. Wenn sie einmal zur Ruhe kommen, können sie sich teilweise gut konzentrieren.
  • Der Mischtyp: Hier sind alle drei Hauptmerkmale vertreten. Die meisten erkrankten Kinder sowie fast alle schweren Formen fallen in diese Kategorie.

Folgeprobleme. Das unangepasste, von der Umwelt als „schwierig“ empfundene Verhalten lässt das Kind bald im Freundeskreis und in der Familie immer mehr ins Abseits geraten. Seine schulischen Leistungen werden trotz ausreichender Intelligenz früher oder später immer schlechter – ein Teufelskreis entsteht aus mangelnder Bestätigung bzw. Erfolgserlebnissen, Kränkung und schließlich problematischem Verhalten.

ADHS im Erwachsenenalter. Experten gehen davon aus, dass ein kindliches AD[H]S sehr häufig auch im Erwachsenenalter fortbesteht und dann eine Rolle als Risikofaktor für weitere Erkrankungen, insbesondere Suchterkrankungen, Depressionen, Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen spielen kann. Es wird geschätzt, dass etwa 3 % der Erwachsenen, vor allem Männer, an einem AD[H]S leiden. Während im Erwachsenenalter die motorische Überaktivität in den Hintergrund tritt, wird vor allem die Aufmerksamkeitsstörung und mangelnde Affektkontrolle (v. a. Aggressivität) zum Ausgangspunkt von psychosozialen Folgeproblemen – von Arbeitslosigkeit über Verkehrsunfälle bis hin zu riskantem Sexualverhalten und Kriminalität.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Der erste Ansprechpartner bei einem entsprechenden Verdacht ist der Kinderarzt. Aber viele Kinderärzte überweisen das Kind dann an einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder an einen Kinderpsychologen, denn die Diagnose eines AD[H]S erfordert viel Erfahrung und ist sehr aufwendig. Sie umfasst neben einer gründlichen allgemeinen und neurologischen Untersuchung psychologische Tests und eine Beurteilung des Kindes durch weitere Personen, z. B. Erzieherinnen oder Lehrer (gegebenenfalls mit Hilfe standardisierter Beobachtungsbögen, den Conners-Bögen). Andere Erkrankungen, z. B. eine Schilddrüsenüberfunktion, besondere Formen der Epilepsie, Minderbegabung und viele Formen von sonstigen Verhaltensstörungen müssen ausgeschlossen werden.

Die Therapie setzt auf mehreren Ebenen an:

  • In einer Familientherapie lernen Eltern, wie sie am besten mit einem von AD[H]S betroffenen Kind umgehen. Kinder mit einem AD[H]S sind sehr anstrengend und bringen ihre Eltern nicht selten an deren Grenzen. Ältere Kinder können in einem Selbstinstruktionstraining lernen, sich gewissermaßen selbst zu kontrollieren. Es werden vor allem verhaltenstherapeutische Verfahren eingesetzt, bei denen Eltern und das betroffene Kind systematisch günstigere Verhaltensweisen lernen sollen. Spiel- und Ergotherapie werden oft für die Kinder empfohlen, ihr Zusatznutzen ist jedoch nicht erwiesen.
  • Medikamente kommen dann in Frage, wenn sich durch Änderungen des häuslichen und schulischen Umfelds sowie durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen keine Besserung einstellt.

Zur medikamentösen Behandlung eines AD[H]S-Patienten werden nicht etwa beruhigende Substanzen eingesetzt, sondern – anscheinend widersprüchlich – stimulierende. Es wird also nicht die Hyperaktivität gedämpft, vielmehr werden steuernde Einflüsse des Gehirns sowohl auf Bewegungen als auch auf die Aufmerksamkeit verstärkt. Auf Gesunde wirken diese Präparate aufputschend und stimmungsaufhellend; daher fällt der Einsatz eines Teils dieser Medikamente auch unter das Betäubungsmittelgesetz. Bei Kindern mit AD[H]S ist es umgekehrt: Die Kinder werden nach der Einnahme ruhiger, weniger impulsiv und können sich besser konzentrieren.

In den deutschsprachigen Ländern wird hauptsächlich Methylphenidat eingesetzt, besser bekannt unter den Handelsnamen Ritalin®, Medikinet®, Concerta® und Equasym®. 4 % der US-amerikanischen Schulkinder nehmen Methylphenidat regelmäßig ein, in Deutschland dürften es weniger sein, genaue Daten sind aber nicht verfügbar. Weitere Wirkstoffe in der ADHS-Behandlung sind Dexamfetamin (Attentin®) und Lisdexamfetamin (Elvalse®). Neuerdings stehen mit Atomoxetin (Strattera®) und Guanfacin (Intuniv®) zwei Präparat zur Verfügung, die nicht stimulierend wirken. Sie sind indiziert, wenn Stimulanzien nicht vertragen werden oder nicht wirken.

Die Behandlung mit allen erwähnten Medikamenten bedarf ständiger fachärztlicher Kontrollen durch einen Pädiater oder Kinderpsychiater.

Umstritten sind die Medikamente weniger wegen ihrer kurzfristigen Nebenwirkungen (vor allem Appetitmangel, Gewichtsverlust oder Schlaflosigkeit) als vielmehr wegen möglicher Langzeitfolgen, etwa einer dadurch entstehenden Suchtgefährdung (von der Tabletten- bis zur Alkoholsucht). Hierfür gibt es bisher jedoch keine schlüssigen wissenschaftlichen Studien.

Natürlich sollten Medikamente nur nach sorgfältiger Diagnostik eingesetzt werden und nur bei solchen Kindern, bei denen die nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht ausgereicht haben. Gezielt eingesetzt, können die Medikamente durch ihre ausgleichende Wirkung aber bis dahin unmögliche (nicht-medikamentöse) Behandlungen überhaupt erst möglich machen, d. h. den Teufelskreis aus Verhaltensauffälligkeiten und sozialen Folgeproblemen unterbrechen und so das Kind sozial integrieren.

Viele Kinder nehmen die Medikamente während ihrer gesamten Schulzeit ein. Macht das Kind gute Fortschritte, so kann durch Auslassversuche geklärt werden, ob die (medikamentöse) Behandlung weiterhin erforderlich ist.

Biofeedback- und Neurofeedback. Biofeedback beschreibt die Rückmeldung von Körpersignalen über Ton oder Bildschirm zum Beispiel im Rahmen eines Atemtrainings oder Muskelentspannungsübungen. Dabei werden mit elektronischen Hilfsmitteln biologische Vorgänge, die der unmittelbaren Sinneswahrnehmung nicht zugänglich sind, dem eigenen Bewusstsein zugänglich gemacht. Betroffene lernen dadurch, ihre Körpersignale besser zu verstehen und können so ihr Verhalten besser kontrollieren. Im Einzelnen werden als Vorgänge im Biofeedback genutzt:

  • Atemmuster wie Atemfrequenz oder Atemamplitude
  • Blutdruck und seine Veränderung
  • Pulsfrequenz,-amplitude und -variabilität
  • Hauttemperatur und -widerstand.

Neurofeedback ist eine Biofeedback-Methode, bei der die elektrischen Gehirnströme mittels Elektroenzephalografie (EEG) in Echtzeit gemessen und auf einem Monitor dargestellt werden, um das Erzeugen bestimmter Frequenzbereiche zu trainieren. Etwa die Hälfte der Kinder mit AD[H]S profitiert von einer Neurofeedbacktherapie. Die Aufmerksamkeit verbessert sich mit der Anzahl an Sitzungen. Wichtige Voraussetzung für einen Behandlungserfolg ist eine ausreichende Motivation von betroffenem Kind und seinen Eltern sowie die Bereitschaft auch außerhalb der Sitzungen zu trainieren.

Therapie der AD[H]S bei Erwachsenen. Mehr als die Hälfte der von AD[H]S betroffenen Kinder und Jugendlichen ihnen nimmt die Erkrankung ins Erwachsenenalter mit. Auf eine psychiatrisch-fachärztliche und psychotherapeutische Behandlung sprechen Betroffenen gut an; es werden Besserungsquoten von etwa 70 % genannt.

Bewährt hat sich eine Kombination aus Pharmako- und Psychotherapie sowie eine sozialpsychiatrische Begleitung. In der Psychotherapie scheint besonders die verhaltenstherapeutisch orientierte Gruppentherapie erfolgversprechend zu sein.

Zur Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter wird vor allem Methylphenidat (zum Beispiel in Medikinet® adult oder Ritalin adult®) eingesetzt. Sie werden Patienten ab 18 Jahren verschrieben, die seit dem Kindesalter an ADHS erkrankt sind und auf andere therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend ansprechen. Wenn Methylphenidat nicht hilft, kann eine Behandlung mit Atomoxetin (Strattera®) erwogen werden.

Selbsthilfe

Auch wenn jedes Kind anders ist, einige Grundsätze gelten immer:

  • Ihr Kind ist schwierig – halten Sie zu ihm! Ein Kind mit AD[H]S leidet selbst darunter, dass es so oft „aneckt“. Nehmen Sie ihm das – nur allzu naheliegende – Gefühl, „schlecht“ oder „böse“ zu sein. Am besten sehen Sie im Tagesplan regelmäßig Zeiten vor, in denen Sie nur für das betroffene Kind Zeit haben.
  • Klare Regeln, Grenzen und Strukturen. Kinder mit einem AD[H]S brauchen einen geregelten Tagesablauf mit festen Mahlzeiten und ausreichend Schlaf. Uneinheitliche Erziehungsregeln gilt es zu vermeiden. Statt Schimpfen und Diskussionen sollten im Voraus festgelegte Regeln und Konsequenzen gelten.
  • Möglichst viel Lob. Das Kind sollte für gelungenes Verhalten konsequent gelobt werden. Die Kinder leiden unter ihrem Anderssein, sie müssen viel einstecken und brauchen deshalb Lob und Anerkennung mehr noch als gesunde Kinder.
  • Ruhige Umgebung. Kinder mit AD[H]S können Informationen besonders schlecht verarbeiten, wenn viele Reize gleichzeitig auf sie einwirken. Hausaufgaben sollten deshalb in einem ruhigen Raum gemacht werden, ohne Radio und Geschwister. Fernseh- und Computerzeit sollte maßvoll zugeteilt werden. Der freie Zugang zu diesen Medien ist kontraproduktiv. Auch die Mahlzeiten sollten ohne Störquellen wie Radio oder gar Fernsehen stattfinden.
  • Nicht überfordern, nicht unterfordern. Klären Sie, ob Ihr Kind vielleicht hoch- oder minderbegabt ist, und wählen Sie eine seiner Begabung entsprechende Schule. Lange Arbeiten überfordern die meisten Kinder, während sie bei begrenzten kurzen Aufgaben eher Erfolgserlebnisse haben.
  • Ausreichend Bewegung. Sie sollten Ihrem Kind auf jeden Fall genug „Auslauf“ verschaffen, nicht nur einmal am Tag, sondern auch zwischendurch. Günstig sind auch kreative Freizeitbeschäftigungen, z. B. Malen oder Tanzen.
  • Ernährung bzw. Diät. Ob Diäten etwas ausrichten, ist Glaubenssache. Beweise gibt es dafür nicht. Viele Eltern sind nicht davon abzuhalten, eine der „beschworenen“ Diäten auszuprobieren. Da eine Diät die soziale Isolation des Kindes verstärken kann, sollte sie nur beibehalten werden, wenn wirklich eine positive Reaktion beobachtet wurde, und zwar nicht nur von einem Familienmitglied, sondern auch von Lehrern.
  • Kontakt zu Erzieherinnen und Lehrern. Die Betreuer Ihres Kindes sollten Sie unbedingt informieren, damit die Auffälligkeiten Ihres Kindes nicht als Unart, sondern als Erkrankung gesehen und die Erwartungen an das Kind entsprechend angepasst werden.
  • Auch in der Schule kann ein Teil der oben genannten Regeln umgesetzt werden, z. B. kann das Kind einen möglichst ruhigen Sitzplatz innerhalb des Klassenraums bekommen. Leider besteht aber in deutschen Schulen im Umgang mit AD[H]S (und anderen „schwierigen“ Kindern) ein ausgesprochenes „Aufmerksamkeitsdefizit“.

Weiterführende Informationen

  • www.ag-adhs.de – Website der Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte (Forchheim), einem Zusammenschluss an ADHS interessierter Kinderärzte.
  • www.bvah.de – Website des Bundesverbands Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität e. V., Forchheim: Mit vielfältigen (leider aber nicht immer gut sortierten) Infos.
  • E. Aust-Claus: Das ADS-Buch. Oberstebrink, 2005. Recht ausgewogenes Standardwerk zum Thema AD[H]S.

Dreitagefieber

Am Dreitagefieber (Exanthema subitum) erkranken hauptsächlich Babys und Kleinkinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Der Name steht für den typischen, dreitägigen, oft hochfieberhaften Verlauf.

Leitbeschwerden

  • Hohes Fieber über ~ 3 Tage
  • Danach fällt das Fieber plötzlich ab, dafür zeigt sich ein kleinfleckiger Hautausschlag.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn

  • Das Baby hohes Fieber hat
  • Ein älteres Kind länger als drei Tage „grundlos“ Fieber hat
  • Weitere Beschwerden hinzutreten.

Die Erkrankung

Das Dreitagefieber wird durch das Herpes-Virus-Typ 6 hervorgerufen. Typisch – und für Eltern und auch Ärzte verwirrend – ist, dass es zunächst keinerlei Hinweise gibt, woher das Fieber kommt: Das Kind bekommt innerhalb weniger Stunden hohes Fieber und sonst (fast) nichts. Die Kinder machen dabei keinen besonders kranken Eindruck. Nach etwa drei Tagen verschwindet das Fieber. Der dann oft auftretende Hautausschlag ermöglicht nun im Nachhinein die Diagnose. Der Ausschlag ist allerdings manchmal nur an Bauch und Rücken zu sehen und nicht selten nach Stunden schon wieder weg.

Die Inkubationszeit beträgt 1–2 Wochen. Die Kinder sind schon etwa 3 Tage vor den ersten Krankheitszeichen bis zum Auftreten des Ausschlags ansteckend. Danach sind sie ihr Leben lang geschützt.

Komplikationen. Eine typische Komplikation sind Fieberkrämpfe. Da das Fieber rasch ansteigt, bekommen entsprechend veranlagte Kinder ihren ersten (harmlosen) Fieberkrampf oft im Rahmen des Dreitagefiebers.

Das macht der Arzt

Die Rolle des Arztes beim Dreitagefieber besteht darin, dass er ernste Erkrankungen wie etwa einen Harnwegsinfekt oder eine Blutvergiftung ausschließt. Manchmal ist dazu eine Blutuntersuchung nötig.

Eine Vorsorge ist nicht möglich.

Einnässen

Beim Einnässen (Enuresis) ist ein Kind auch nach seinem fünften Geburtstag noch nicht trocken, entweder nur während der Nacht (Enuresis nocturna) oder auch bei Tag (Enuresis diurna). Vor allem das nächtliche Einnässen ist sehr häufig: Etwa 10 % aller Siebenjährigen sind nachts noch nicht trocken.

Abzugrenzen ist das Einkoten (Encopresis), dem meist schwere psychische Störungen des Kindes zugrunde liegen, und das andere Ursachen hat als das Einnässen.

Leitbeschwerden

  • Häufigeres unwillkürliches Einnässen nach dem fünften Geburtstag
  • Kein Nachweis organischer Erkrankungen.

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn Ihr Kind häufiger einnässt

In den nächsten 2 bis 4 Wochen, wenn Ihr Kind erneut regelmäßig einnässt, obwohl es vorher schon trocken war

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind große Mengen Urin lässt, auffällig viel trinkt und sich sein Allgemeinbefinden in letzter Zeit verschlechtert hat; dies weist z. B. auf Diabetes hin.
  • Ihr Kind wieder einnässt und es gleichzeitig Fieber oder neuartige Beschwerden beim Wasserlassen hat; dies weist auf einen Harnwegsinfekt hin.

Die Erkrankung

Einnässen gehört zur normalen kindlichen Entwicklung: Bis die Kontrolle über die Blase zuverlässig klappt, geht mancher Schwall daneben. Gerade im Kindergartenalter wird das „Geschäft“ wegen eines spannenden Spiels oft so lange aufgeschoben, bis es zu spät ist. Oder das Kind will auch wieder so klein und umsorgt sein wie das frisch geborene Geschwisterkind. Entsprechend schwierig ist es, eine genaue Grenze festzulegen, ab der Einnässen nicht mehr normal ist. Die meisten Mediziner sprechen erst von Einnässen, wenn ein Kind nach dem fünften Geburtstag noch nicht trocken ist. Andere Mediziner setzen die Grenze für das Sauberwerden über Tag auf den vierten und für die Nacht auf den sechsten Geburtstag fest. Gelegentliche „Unfälle“ kommen auch bei älteren Kindern immer wieder mal vor und sind kein Grund zur Besorgnis.

Die häufigste Form des Einnässens ist das Einnässen ausschließlich in der Nacht (Enuresis nocturna). Das Kind – meist handelt es sich um einen Jungen – „wird einfach nicht trocken“, ist aber ansonsten völlig unauffällig. Was genau zugrunde liegt, ist unbekannt, genetische Einflüsse sind jedoch sicher von Bedeutung (oft hatte z. B. der Vater auch Probleme mit dem nächtlichen Trockenwerden).

Nur bei wenigen Kindern sind andere Faktoren von Bedeutung:

  • Bei manchen Kindern, vor allem solchen, die vorzugsweise am Tag einnässen, ist die Blasenkontrolle unzureichend (funktionelle Blasenfunktionsstörung). Die betroffenen Kinder (oft Mädchen) haben aufgrund eines unzureichenden Zusammenspiels der an der Blasenentleerung beteiligten Muskeln einen häufigen, schnell einsetzenden Harndrang.
  • Das Einnässen eines vormals „trockenen Kindes“ ist oft die Folge psychischer Belastungen – von der Geburt eines Geschwisterkindes über Partnerprobleme der Eltern bis zur schulischen Überforderung.
  • Auch organische Störungen können selten einmal zu einem unwillkürlichen Urinabgang führen, wie etwa Fehlbildungen der Harnleiter oder des Rückenmarks, Harnwegsinfektionen oder Diabetes.

Das rät der Arzt

Die meisten Kinderärzte raten dazu, regelmäßiges Einnässen nach dem fünften Geburtstag durch eine gründliche körperliche Untersuchung (evtl. auch Urin- und Ultraschalluntersuchungen) zu klären. Die Eltern und das Kind führen zudem ein Miktionsprotokoll über das Wasserlassen (= Miktion) und die „Unfälle“.

  • Schimpfen, Bloßstellen oder Bestrafen helfen nicht. Die meisten Kinder leiden unter dem Einnässen ebenso wie ihre Eltern. Auch das viel geübte ein- oder zweimalige Wecken in der Nacht hat sich als eine überwiegend unwirksame Tortur erwiesen. Unterstützen Sie das Selbstwertgefühl des Kindes, indem Sie offen über das Einnässen reden und ihm dabei vermitteln, dass es nichts „falsch“ macht.
  • Große Trinkmengen nach dem Abendessen sollten vermieden werden. Ein radikales Trinkverbot ab 16 oder 17 Uhr bringt jedoch weder nennenswerte Erfolge noch ist es eine dauerhafte Lösung.
  • Bei Kindern bis sechs Jahren, die nur nachts einnässen, ist es oft das Beste, eine waschbare wasserdichte Unterlage ins Bett zu legen, bügelfreie Bettwäsche zu benutzen und ansonsten einfach abzuwarten.
  • Bei einem Teil der Kinder hilft ein Sonne-und-Wolken-Kalender, bei dem „trockene“ Nächte mit einer Sonne und „nasse“ mit einer Wolke gekennzeichnet werden. Kleine Belohnungen, z. B. ein Gummibärchen oder ein Sticker, können die Motivation des Kindes unterstützen.
  • Löst sich das Problem bis zum sechsten Geburtstag nicht von selbst, oder ist ein Fünfjähriger sehr motiviert, kann als nächster Schritt die Verwendung einer Klingelhose oder einer Klingelmatte versucht werden. Ein in der Hose oder im Bett angebrachter Sensor löst bei Feuchtigkeit einen Klingelalarm aus und weckt das Kind. Mit der Zeit soll das Kind lernen, die volle Blase selbst wahrzunehmen und rechtzeitig zur Toilette zu gehen. Die ersten Wochen können wegen der häufigen nächtlichen Klingel-Alarme auch für die Eltern recht anstrengend sein.
  • Überbrückend, z. B. auf einer Klassenfahrt, kann die abendliche Einnahme eines DDAVP (Desmopressin, Minirin®) angebracht sein. Es handelt sich dabei um einen Abkömmling des natürlichen Hormons ADH, das die Urinbildung hemmt. Es steht als Tablette zur Verfügung und reduziert die Urinmenge. Die Anwendungsvorschriften müssen genau eingehalten werden; Rückfälle nach Absetzen des Medikaments sind leider häufig.

Prognose

Das wichtigste Ziel der „Behandlung“ sollte sein, aus dem Problem Einnässen nicht noch größere Probleme wie ein geknicktes Selbstwertgefühl, Familienärger oder seelischen Rückzug werden zu lassen. Pro weiterem Jahr werden 10–15 % der betroffenen Kinder auch ohne weitere Maßnahmen beschwerdefrei.

Komplementärmedizin

Angeboten werden Akupunktur sowie pflanzliche und homöopathische Arzneimittel, die je nach Begleitsymptomen gewählt werden. Die Wirkungen sind nicht nachgewiesen.

Weiterführende Informationen

  • A. Gontard: Ratgeber Einnässen. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe, 2004. Eines der wenigen aktuellen Büchlein zu diesem Thema.

Fieberkrämpfe

Etwa 4 % aller Kinder erleiden mindestens einmal einen Fieberkrampf, meist im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren. Warum manche Kinder zu Fieberkrämpfen neigen, ist nicht klar. Ein erhöhtes Risiko haben diejenigen Kinder mit Verwandten und besonders mit Geschwisterkindern, die bereits einen Fieberkrampf hatten. Auch Frühgeborene haben häufiger Fieberkrämpfe.

Ob ein Fieberkrampf entsteht, hängt weniger von der Höhe des Fiebers als von der Geschwindigkeit des Fieberanstiegs ab. Dies erklärt, warum Kinder einen Fieberkrampf haben können, noch bevor die Eltern merken, dass ihr Kind krank ist. Besonders häufig sind Fieberkrämpfe beim Dreitagefieber .

Leitbeschwerden

  • Anfall oft während des ersten Fieberanstiegs bei einem Infekt
  • Meist in Form eines so genannten Grand-mal-Anfalls mit Steifwerden, Muskelkrämpfen am ganzen Körper und Bewusstseinsverlust. Prinzipiell sind jedoch alle Anfallsformen möglich
  • Nach wenigen Minuten hört der Krampf von selbst auf. Das Kind ist danach zunächst schläfrig oder „jammerig“, nach 15–30 Minuten reagiert es aber normalerweise wieder wie gewohnt oder ist eingeschlafen.

Wann zum Arzt

Sofort, wenn

  • Ihr Kind erstmalig einen Fieberkrampf hat
  • Etwas „anders ist“ als bei vorangegangenen Fieberkrämpfen. Insbesondere dann, wenn das Kind starke Kopfschmerzen hat, den Kopf nicht nach vorne beugen kann oder lichtscheu ist; dies sind Hinweise auf eine Hirnhautentzündung.
  • Der Fieberkrampf länger als 15 Minuten dauert oder sich innerhalb derselben fieberhaften Erkrankung wiederholt.

In aller Regel ist in diesen Fällen das nächstgelegene Kinderkrankenhaus die richtige Adresse. Am sichersten ist der Transport durch den Notarzt.

Die Erkrankung

Es wird angenommen, dass bei Fieber die „Isolierung“ der Nervenzellen weniger gut funktioniert und es so leichter zur Erregung ganzer Hirnregionen kommt, die sich dann plötzlich als Krampfanfall entlädt. Der typische Fieber-Krampfanfall ist in aller Regel harmlos und hinterlässt keine Schäden.

Der unkomplizierte Fieberkrampf (einfacher Fieberkrampf) betrifft Kinder ab dem sechsten Monat bis zum sechsten Lebensjahr, tritt während einer fieberhaften Erkrankung nur einmal auf, dauert 2–10 Minuten und verläuft als Grand-mal-Anfall des ganzen Körpers.

Etwa ein Viertel der Fieberkrämpfe verlaufen jedoch außergewöhnlich; sie werden als komplizierte Fieberkrämpfe bezeichnet und haben folgende Merkmale. Sie:

  • Betreffen Kinder unter sechs Monaten oder nach dem fünften Geburtstag
  • Dauern länger als 15 Minuten
  • Wiederholen sich innerhalb von 24 Stunden ein- oder mehrmals
  • Verlaufen einseitig oder betreffen nur einen bestimmten Körperteil.

Komplizierten Fieberkrämpfen liegt häufiger (aber keineswegs immer) eine organische Ursache zugrunde, das Risiko einer späteren Epilepsie ist leicht erhöht. Fast alle Kinder mit Fieberkrämpfen entwickeln sich ganz normal. Das statistische Risiko, später eine Epilepsie zu bekommen, steigt nach einem Fieberkrampf jedoch leicht an, und zwar von 0,5 % für gesunde Kinder ohne Fieberkrämpfe auf 1 %. Es gibt jedoch keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Fieberkrampf die Ursache hierfür ist. Höher (und doch nur bei etwa 2 %) ist das Epilepsierisiko bei Kindern mit zusätzlichen Risikofaktoren, etwa Vorschäden des Gehirns, nahen Verwandten mit Epilepsie, EEG-Veränderungen oder komplizierten Fieberkrämpfen.

Die Behandlung eines Kindes nach einem Fieberkrampf mit antiepileptischen Medikamenten verhindert eine Epilepsie nicht.

Das macht der Arzt

Das wichtigste Ziel des Arztes ist es auszuschließen, dass dem Krampfanfall etwas anderes zugrunde liegt als Fieber. Vor allem Gehirn- und Hirnhautentzündungen können sich ebenfalls durch Fieber und Krampfanfälle zeigen. Das Risiko dafür, dass sich ein vermeintlicher Fieberkrampf als eine Gehirn- oder Hirnhautentzündung herausstellt, liegt aber unter 1 %.

In Zweifelsfällen, vor allem wenn das Kind unter 18 Monate alt ist, wenn es sich um einen komplizierten Fieberkrampf handelt oder wenn das Kind bereits mit Antibiotika vorbehandelt ist, wird der Arzt eine Lumbalpunktion (Entnahme von Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) empfehlen, um eine Hirnhautentzündung sicher ausschließen. Ein CT oder Kernspin ist nur in Ausnahmefällen nötig, wenn das Kind nach dem Anfall längere Zeit nicht zu sich kommt.

Natürlich untersucht der Arzt das Kind auch gründlich – nicht zuletzt um die Ursache des Fiebers zu finden. Hierzu muss manchmal auch der Urin untersucht oder die Lunge geröntgt werden.

Meist wird ungefähr zwei Wochen nach dem Fieberkrampf auch ein EEG abgeleitet, das nach Fieberkrämpfen typischerweise normal ist. Nur bei besonders auffälligen (etwa einseitigen Anfällen) wird das EEG schon im Krankenhaus gemacht.

Eine medikamentöse Unterdrückung des Anfalls ist meist nicht erforderlich, in aller Regel ist er bei Eintreffen des Arztes schon vorbei.

Selbsthilfe

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Fieberkrampf bestehen aus Entfernung des Kindes von Treppen oder ähnlich gefährlichen Orten, dem Rufen des Notarztes beim ersten Fieberkrampf und der stabilen Seitenlage nach dem Anfall.

Vorsorge

Nach dem ersten Fieberkrampf liegt das Risiko eines abermaligen Fieberkrampfs bei gut 30 % (wenn er auftritt, dann meist innerhalb eines Jahres).

Leider lässt sich weiteren Fieberkrämpfen nur bedingt vorbeugen. Das Fieber bei auftretenden Infekten zu senken (entweder durch Wadenwickel oder medikamentös) macht zwar Sinn, dass dies Fieberkrämpfe verhindert, ist aber nicht erwiesen. Die vorbeugende Gabe von Krampf unterdrückenden Medikamenten während eines Infekts für ein paar Tage ist nur sinnvoll, wenn ein Kind bereits mehrmals Fieberkrämpfe hatte. Empfehlenswert ist es aber, ein solches Medikament als Mikroklistier (eine kleine Tube) zur rektalen Gabe im Haus zu haben (z. B. Diazepam Desitin® rectal tube, rezeptpflichtig), um einen erneuten Fieberkrampf selbst behandeln zu können.

Gedeihstörungen

Unter einer Gedeihstörung versteht man eine gestörte gesamtkörperliche Entwicklung des Kindes. Die betroffenen Kinder sind für ihr Alter und für ihre Größe zu leicht. Ihr Gewicht liegt entweder unter der dritten Perzentile der Gewichtskurve (d. h. sie sind leichter als 97 % ihrer Altersgruppe) oder sie rutschen auf der Gewichtskurve immer weiter von ihrem bisherigen Verlauf ab (etwa von der 75. Perzentile unter die 25. Perzentile). Besteht die Gedeihstörung länger, so ist auch das Längenwachstum betroffen (ein solcher Kleinwuchs kann auch zahlreiche andere Ursachen haben).

Vor allem die Großeltern vermuten bei dünnen Enkelkindern oft Gedeihstörungen. Solange diese Kinder jedoch leistungsfähig sind, sind sie ganz normale Kinder, bei denen man eben „die Rippen zählen kann“. Die Tatsache, dass das Längenwachstum normal verläuft, weist darauf hin, dass es dem Körper nicht an Energie mangelt. Oft wird in diesem Zusammenhang auch vergessen, dass Kinder nach Abbau des Babyspecks natürlicherweise sehr wenig Fett am Körper haben. Der Body Mass Index (BMI) erreicht zwischen 5 und 6 Jahren ein natürliches Tief – Kinder, bei denen man in diesem Alter die Rippen nicht zählen kann, haben ein erhöhtes Risiko, später Übergewicht mit sich herumzuschleppen.

Die Erkrankung

Kinder gedeihen schlecht, wenn sie entweder nicht genug essen, das Essen unzureichend verwerten oder wenn sie mehr Kalorien verbrauchen als sie aus der Nahrung erhalten. Entsprechend viele Krankheiten können letzten Endes eine Gedeihstörung verursachen:

  • Krankheiten, bei denen die Nahrungsaufnahme oder Verdauung gestört ist, z. B. die Magenpförtnerenge, die Refluxkrankheit, die Kuhmilchallergie, die Zöliakie oder chronische Darmentzündungen .
  • Stoffwechselkrankheiten, z. B. Diabetes oder seltene angeborene Stoffwechselstörungen
  • Chronische Entzündungen wie z. B. rheumatische oder Autoimmunerkrankungen
  • Schwere Organstörungen, z. B. ein Herzfehler, Nieren- und Lebererkrankungen
  • Zuviel Stress zu Hause, zu wenig Unterstützung durch die Eltern oder auch Krisen in der Elternbeziehung.

Das macht der Arzt

Jede echte Gedeihstörung ist ein Notfall. Denn wenn Kinder nicht gedeihen, so fehlt ihnen auch die Energie für eine gesunde Entwicklung.

Da sehr viele Krankheiten eine Gedeihstörung verursachen können, ist die Diagnostik nicht selten langwierig. Der erste Schritt bei der Diagnose besteht aber zunächst darin, festzustellen, ob das Kind wirklich hinter seinem Wachstumspotential zurückbleibt. Dazu wird der Arzt zunächst den Wachstumsverlauf der letzten Monate und Jahre genau begutachten und auch errechnen, auf welcher Perzentile das Gewicht des Kindes in Bezug auf die Körpergröße liegt. Eine gründliche Untersuchung schließt sich an, eventuell auch Blut-, Stuhl- und Urinuntersuchungen. Womöglich lässt der Arzt auch eine Woche lang ein Ernährungsprotokoll führen. Ergibt sich durch die Untersuchungen ein gezielter Verdacht, wird entsprechend weiter ermittelt und behandelt. Dazu gehört eventuell auch eine stationäre Aufnahme. Klappt dort das Gedeihen und kann eine zugrunde liegende Erkrankung nicht gefunden werden, so deutet dies auf eine psychosoziale Ursache hin. In einem solchen Fall benötigt also die ganze Familie Hilfe.

Ergibt sich jedoch kein Hinweis auf eine Gedeihstörung, d. h. bescheinigt der Kinderarzt Ihrem Kind, dass es in vertretbarem Tempo „zulegt“, so sollte dieses Thema auch zur Ruhe kommen.

Hautausschläge und Hautpflege bei Babys

Hautausschläge. Fast jedes Neugeborene hat eine irgendwie auffällige Haut. Manche Hautveränderungen wie Muttermale bringt das Baby schon aus dem Mutterleib mit. Andere entstehen durch die rasche Anpassung, die die Haut nach neun Monaten „im Aquarium“ nun leisten muss. Allen diesen „Ausschlägen“ aber ist eines gemeinsam: Sie sind nicht krankhaft. Zu den häufigsten Hauterscheinungen des Neugeborenen gehören:

Hautschuppung. In den ersten Tagen beginnt die Haut am ganzen Körper zu schuppen, meist feinschuppig, bisweilen auch in zentimetergroßen Hautfetzen. Dies wird durch die Austrocknung der vom Fruchtwasser aufgeweichten Hornschicht der Haut hervorgerufen. Die abgeschilferte Haut regeneriert sich am besten von selbst, Salben oder Pflegemittel bringen nichts. Bildet die Haut allerdings flüssigkeitsgefüllte Blasen, sollten Sie mit dem Kind zum Arzt gehen.

Neugeborenenakne. Bis zur vierten Lebenswoche treten bei vielen Neugeborenen kleine bräunliche, pickelartige Knötchen auf, vor allem im Bereich der Wangen. Es wird vermutet, dass es sich dabei um eine Reaktion auf die im Mutterleib übertragenen mütterlichen Geschlechtshormone handelt. Solange sich die Pickel nicht entzünden (erkennbar an Eiter und zunehmender Rötung und Schwellung der Umgebung), tun Sie am besten gar nichts – auch kein Abrubbeln und schon gar kein Ausdrücken. Der Ausschlag verschwindet innerhalb weniger Wochen von selbst.

Erythema toxicum. Ein ähnlicher, völlig normaler Ausschlag wird manchmal in den ersten Lebenstagen an den Ärmchen, Beinen oder am Rumpf beobachtet: Hier schießen kleine gelblich-weiße, von einem roten, nicht geschwollenen Hof umgebene Knötchen auf, die innerhalb weniger Tage von selbst wieder verschwinden. Dieser Ausschlag wird vom Kinderarzt Erythema toxicum genannt.

Milien. Infolge einer Zystenbildung in Talg- und Schweißdrüsen entwickeln sich bei über der Hälfte der Neugeborenen kleine, reizlose, weiße, talggefüllte Pünktchen vor allem im Bereich der Nase. Sie bilden sich in den ersten Lebenswochen von selbst zurück.

Auch wenn Sie die Pünktchen unschön finden: Drücken Sie die Milien nicht aus, sie könnten sich sonst entzünden.

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Das Baby hat im Mutterleib neun Monate sozusagen im Aquarium gelebt. Kein Wunder, dass die Haut bei der Umstellung auf die trockene Außenwelt eine Zeitlang sehr aktiv ist und mit allen möglichen Ausschlägen reagiert. Die allermeisten Erscheinungen der Haut sind beim Neugeborenen normal und verschwinden innerhalb der ersten drei Monate wieder.

Hautpflege: so wenig wie möglich

Die Zuwendung von Mutter zu Kind scheint sich seit Generationen besonders in der Hautpflege zu äußern und dort im Säuglingsbad zu kulminieren. Heute weiß man, dass der Haut des Säuglings eines am besten tut: dass mit ihr so wenig wie möglich gemacht wird. Und dies schon nach der Geburt. Die Käseschmiere (Vernix), die das Kind aus dem Mutterleib mitbringt, hat sowohl eine nachhaltig fettende Wirkung als auch gegen Bakterien und andere Mikroben gerichtete (antimikrobielle) Eigenschaften. Das angeblich säubernde Bad nach der Geburt reinigt also keineswegs (es war im Mutterleib ja nicht schmutzig), sondern entfernt eine wichtige Schutzschicht. Besser ist das bloße Abwischen.

Auch danach braucht die Haut keine Pflege. Denn in den ersten Wochen schilfern sich die oberflächlichen Hautschichten rasch ab, und auch später bleibt die Haut des Säuglings so aktiv, dass sie sich beständig selbst reinigt. Es reicht völlig, das Baby vor allem dort abzuwaschen, wo es wirklich immer mal wieder schmutzig wird: am Oberkörper (Spucke, Milch) und im Windelbereich. Gegen ein wöchentliches Bad ist nichts einzuwenden, am besten wird dabei aber auf „reinigende“ Zusätze verzichtet.

Nabelpflege

Wie bei der Haut heißt es auch beim Nabel: weniger zu tun ist besser. Vergleichsstudien zeigen nämlich, dass überzogene Pflege, ob mit Alkohol oder mit Puder, mit Nachteilen verbunden sein kann. Die tägliche Behandlung mit Alkohol verzögert die Wundheilung; Puderstäube werden vom Baby leicht eingeatmet und können dann die Lunge schädigen, und Nabelbinden schaffen eine abgeschlossene Kammer, in der Bakterien besser gedeihen als an der Luft. Anzuraten dagegen ist häufiger Hautkontakt. Es hat sich gezeigt, dass die natürliche Hautflora der Mutter dabei auch den Nabel des Babys besiedelt und dort eventuelle schädliche Bakterien in Schach hält.

Basispflege. Solange der Nabelstumpf noch nicht abgefallen ist, wird er in einen trockenen Mulltupfer eingeschlagen und unter das Hemdchen gelegt. Die Klemme kann abgenommen werden, wenn der Stumpf trocken ist. Schlagen Sie die Windel vorne so um, dass der Rand nicht am Nabelstumpf reibt. Wenn Sie wollen, dürfen Sie Ihr Baby baden, tupfen Sie den Nabel danach nur ab. Die eingetrocknete Nabelschnur fällt meist zwischen dem fünften und neunten Tag ab, gelegentlich aber auch erst nach drei Wochen. Manchmal sehen Sie dann etwas Blut am Windelrand, das ist normal. Versuchen Sie nie, den Stumpf selbst „abzuziehen“, auch wenn er noch so wackelig auf dem Nabel sitzt.

Bei Nässen oder Rötung. Nach dem Abfallen ist der Nabelgrund oft noch eine Weile feucht und „schmierig“, und es bilden sich braune, gelbe oder grüne Krusten. Solange die Umgebung des Nabels nicht geschwollen oder gerötet ist, ist das normal. Sie können dann den Nabel zwei- bis dreimal am Tag vorsichtig mit einem weichen Tuch mit Wasser und Babyseife auswaschen. Schmiert der Nabelgrund weiter und riecht eitrig (manchmal sehen Sie dann auch kleine Pickelchen rund um den Nabelrand), können Sie den Nabel mit Calendula-Tinktur (aus der Apotheke) auswaschen (ein paar Spritzer Tinktur in einen Eierbecher Wasser).

Bei größeren Problemen. Rötet sich aber der Bauch rund um den Nabel, schwillt an und bereitet dem Baby Schmerzen, müssen Sie zum Kinderarzt gehen. Denn es könnte sich dabei um eine eitrige Nabelentzündung (Omphalitis) handeln, die antibiotisch behandelt werden muss. Auch wenn der Nabel stark nässt oder das Nässen nicht aufhört, sollten Sie hierzu den Kinderarzt fragen, da dies auf eine seltene, feine Verbindung des Nabelgrunds mit der Blase hinweist (sog. Urachusgang).

Bei Knötchenbildung. Manchmal bildet sich am Grund des Nabels ein feines, rotes, nässendes Knötchen. Es geht von der 2–3 mm großen Stelle aus, an der die Nabelschnur hing. An dieser kleinen Wunde hat sich „wildes Fleisch“, ein Nabelgranulom, gebildet, das meist von selbst zurückgeht. Verwenden Sie auch jetzt zur Nabelreinigung nur Wasser und Seife; Alkohol verzögert die Rückbildung des Granuloms. Bleibt das Knötchen bestehen, so betupft es der Kinderarzt mit einem Silbernitratstift; diese Chemikalie zieht das Fleisch zusammen. Manchmal muss diese Silbernitratbehandlung wiederholt werden.

Was sonst noch an Haut, Nabel und Schleimhäuten auffallen kann

Schwitzen

Manche Säuglinge schwitzen im Schlaf im Hals- und Kopfbereich – oft so stark, dass ihr Strampler richtig nass wird. Dies ist eine normale Reaktion. Stellen Sie aber auf jeden Fall sicher, dass die Zimmertemperatur beim Schlafen nicht zu hoch ist (etwa 16–18 °C genügen).

Eingewachsene Zehennägel

Bei nicht wenigen Säuglingen wachsen die Nägel an den großen Zehen seitlich ein. Die Haut am Nagelrand verhärtet sich dabei und ist oft gerötet. Dies bereitet dem Kind nur selten Probleme und verschwindet meist von selbst wieder. Lassen Sie den Nagel lange stehen und schneiden Sie ihn immer ganz gerade ab; knipsen Sie den Nagel also nicht seitlich ab. Verursacht der eingewachsene Nagel eine eitrige Nagelbettentzündung, so muss diese behandelt werden. Erkennungszeichen der Nagelbettentzündung (Nagelumlauf) sind beim Kind dieselben wie beim Erwachsenen.

Saugbläschen und Gaumenperlen

In den ersten Lebenswochen bildet sich in der Mitte der Lippen oft ein so genanntes Saugbläschen. Es ist ein normales Zeichen eines gesunden Appetits und tut dem Baby nicht weh. Es verschwindet von selbst, kommt aber oft einmal wieder.

Wenn das Baby schreit, sieht man in den ersten Wochen an Gaumen oder Zahnleiste oft einige gelblich-weiße, glänzende, ungefähr stecknadelkopfgroße, kaum erhabene „Pünktchen“. Dies sind kleine Einschlüsse von Hautabschilferungen, die bei Medizinern auch als Gaumenperlen oder Epithelperlenbekannt sind. Sie verschwinden von selbst.

Stumpfe, weiße, flächenhafte Auflagerungen an der Mundschleimhaut, die sich mit dem Finger nicht leicht wegwischen lassen, können durch einen Mundsoor bedingt sein, der von Hefepilzen herrührt. Er wird durch Einträufeln antimykotischer Lösungen (z. B. Nystatinlösung, viermal am Tag) behandelt. Stillt die Mutter, so wird am besten auch die Brustwarze der Mutter mit diesen Mitteln betupft.

Impetigo

Die sehr ansteckende Impetigo [contagiosa] (Grindflechte, Grind) ist die bei Kindern am häufigsten vorkommende bakterielle Hautentzündung. Sie tritt vornehmlich bei Klein- und Kindergartenkindern auf, meist im Gesicht oder an den Händen, selten auch im Bereich der Genitalien.

Leitbeschwerden

Meist an den Fingern oder im Gesicht: Zunächst klare, dann eitrige Hautbläschen mit rotem Hof, die sich allmählich ausbreiten und auf der Haut honiggelbe Krusten bilden.

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn das Kind den beschriebenen Ausschlag im Gesicht hat

Sofort, wenn das Kind Fieber bekommt oder es ihm zunehmend schlechter geht

Die Erkrankung

Unsere Haut ist natürlicherweise von unzähligen gutartigen Bakterien besiedelt. Wirkungsvolle Schutzmechanismen, z. B. der Säureschutzmantel der Haut, verhindern, dass die Bakterien in tiefere Hautschichten vordringen. Ist die Haut jedoch geschädigt, können infektionsauslösende Bakterien in die Haut eindringen und zu einer bakteriellen Hautentzündung führen. Entsprechend häufig tritt die Impetigo nach Erkältungen auf, bei denen die Haut rund um Mund und Nase entzündet und dadurch vorgeschädigt ist. Häufiger betroffen sind auch Kinder mit Neurodermitis.

Impetigo wird meist durch Staphylokokken oder -Bakterien ausgelöst. Häufig werden diese Keime z. B. aus dem Rachen des Kindes verschleppt oder von einem anderen Kind übertragen. Das Kind, von dem die Ansteckung ausgeht, muss selbst nicht krank sein: Gerade Streptokokken und Staphylokokken kommen bei manchen gesunden Kindern im Rachen oder der Nase vor.

Als Folge der Infektion bilden sich Hautbläschen unterschiedlicher Größe; kleine Bläschen sind für Streptokokken typisch, große Blasen für Staphylokokken. Die Bläschen sind von einem geröteten Saum umgeben und trüben rasch eitrig ein. Wenn sie platzen, entstehen die typischen honiggelben Krusten und die Herde breiten sich aus – oft helfen hier die kratzenden Finger des Kleinkindes nach. Kinder mit ausgedehnten Entzündungen können Fieber entwickeln und sich in ihrem Allgemeinbefinden beeinträchtigt fühlen.

Impetigo ist sehr ansteckend. Erkrankte Kinder sollten deshalb möglichst keinen Kontakt zu anderen Kindern haben, sie dürfen Kindergarten oder Schule nicht besuchen.

Komplikationen. Die Impetigo heilt praktisch immer narbenlos ab, Komplikationen sind bei rechtzeitiger Behandlung selten. Bei Streptokokken-Infektionen können wie bei der eitrigen Angina (Streptokokken-Angina) Immunreaktionen auftreten, z. B. eine Nierenkörperchenentzündung (Glomerulonephritis) oder, extrem selten, ein akutes rheumatisches Fieber. Bei Staphylokokken kann eine Immunreaktion der Haut zu schweren Entzündungen und Hautablösungen führen (Lyell-Syndrom).

Das macht der Arzt

Der Arzt erkennt die Impetigo allein anhand des typischen Bilds. In schwereren Fällen macht er möglicherweise einen Hautabstrich, um den genauen Erreger festzustellen.

Leichtere Formen lassen sich in aller Regel durch eine äußerliche Behandlung in den Griff bekommen: Durch Auflegen feuchter Kompressen mit evtl. desinfizierenden Lösungen (z. B. Kamillosan® oder Braunovidon®) werden die Krusten abgelöst. Danach werden Antibiotikasalben oder -gels (z. B. Fucidine® oder Turixin®) aufgetragen.

Bei einer ausgedehnten Impetigo muss das Kind Antibiotika einnehmen. Auch bei immer wiederkehrender Impetigo werden orale Antibiotika verordnet. Zudem wird in solchen Fällen durch einen Rachenabstrich geprüft, ob hier etwa ein Keimreservoir vorhanden ist; dieses muss dann zusätzlich durch in die Nase eingebrachte Antibiotikasalben (Mupirocin®) behoben werden.

Selbsthilfe

Da die in den Blasen und Krusten enthaltenen Bakterien leicht verschleppt werden können, empfiehlt es sich, die Herde z. B. mit Wundgaze abzudecken; damit wird auch das Kratzen erschwert. Um die Übertragung zu erschweren, sollte das Kind nicht die gleichen Handtücher benutzen wie die übrigen Familienmitglieder, seine Kleidung, Bettwäsche und die Handtücher sollten täglich gewaschen werden, möglichst bei 60 °C.

Komplementärmedizin

Bewährt hat sich die Behandlung mit Calendula-Essenz. Diese wird im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt und als feuchte Kompresse mehrmals täglich auf die betroffene Haut gelegt. Auch Thymiantee wird von manchen naturheilkundlichen Ärzten zur oberflächlichen Behandlung empfohlen.

Infektionsneigung

Weniger als 1 % der Kinder leidet unter krankhafter Infektionsneigung durch eine angeborene oder erworbene Immunschwäche (Immundefekt). Solche Kinder fallen nicht nur durch sehr häufige Infektionen auf, sondern v. a. durch besonders langwierige und schwerwiegende Verläufe, z. B. Abszessbildungen an der Haut. Häufig findet der Arzt ungewöhnliche Erreger als Ursache, z. B. Pilze.

Auch wenn oft Ernährungsstörungen, Immunschwäche oder Schlimmeres dahinter vermutet wird: Meist steckt hinter einer von Eltern beklagten Infektionsneigung nichts Krankhaftes. Im Gegenteil: Das Kleinkind kann als ein Wesen mit „natürlicher Infektionsneigung“ beschrieben werden. Denn „ohne Fleiß kein Preis“ ist die Devise des Immunsystems – es kann nur dann leistungsfähig werden, wenn es die wichtigsten Erreger nach und nach „durchmacht“. Dieses Training beginnt gegen Ende des ersten Lebensjahrs, wenn der natürliche Schutz durch die mütterlichen Antikörper (Nestschutz) abfällt. Ab jetzt sind bis zum Schulalter etwa 6–8 Infektionen (im 2. Lebensjahr sogar 8–12) pro Jahr normal. Nichtgestillte Kinder sowie Kinder rauchender Eltern haben statistisch mehr Infektionen, vor allem Mittelohrentzündungen, als ihre gestillten, nicht-mitrauchenden Altersgenossen. Auch Kinder in großen Familien oder Kleinkinder, die Kinderbetreuungseinrichtungen besuchen, schlagen sich häufiger mit „eingeschleppten“ Infekten herum.

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Die „ewigen“ Rotznasen und häufigen Erkältungen der Kleinkinder; sie sind ganz normal und haben mit krankhafter Infektionsneigung nichts zu tun.

Häufige Infektionen entstehen manchmal auch im Rahmen bestimmter Organkrankheiten. So neigen z. B. Kinder mit einer schweren Refluxkrankheit immer wieder unter Bronchitis und haben auch häufiger Mittelohrentzündungen. Auch Kinder mit schlecht behandeltem Asthma sind häufiger krank, sie können wegen der verengten Bronchien ihre Luftwege schlechter „sauber halten“ und neigen deshalb zu immer wiederkehrenden Infektionen der Bronchien. Bei Kindern mit einer Abflussstörung an den Harnwegen (vesikorenaler Reflux) häufen sich Harnwegsinfekte. Hat ein Kind also immer wieder „Probleme an der gleichen Stelle“, ist eine Suche nach eventuell zugrunde liegenden Störungen empfehlenswert.

Das macht der Arzt

Die meisten Kinder mit „Infektneigung“ sind gesund, d. h. ihr Immunsystem funktioniert völlig normal. Im späten Kindergartenalter klingen die häufigen Infekte von selber ab. Alles, was Eltern hier tun können, ist, den Kindern einen gesunden Rahmen zu bieten: gesunde Ernährung, genügend Auslauf und Schlaf und die sonstigen Freuden des Lebens. Zigarettenrauchen muss den Kindern zuliebe eingestellt werden.

Abhärtungsmethoden wie Kneipp-Güsse oder Wechselduschen können unterstützend wirken, Regengüsse oder Spielen im Freien sind genauso gut.

Vermutet der Arzt eine krankhafte Infektionsneigung, so prüft er durch Blutuntersuchungen die wichtigsten Funktionen des Immunsystems und überweist das Kind möglicherweise an einen Spezialisten.

Leiden Säuglinge oder Kleinkinder an Fieber unbekannter Herkunft oder akuten Ateminfektionen, sind in den meisten Fällen Viren verantwortlich. Da bakterielle Infektionen in dieser Altersgruppe jedoch oft schwer verlaufen, wird bei unbekanntem Erreger häufig eine vorsorgliche Antibiotikabehandlung eingeleitet. 2016 erhielt ein neuer Schnelltest (ImmunoXpert™) zum Erregerausschluss die Zulassung in der EU. Der Test soll die Therapieentscheidung verbessern und einer Übertherapie mit Antibiotika entgegenwirken. Ermittelt wird, ob eine Erhöhung bestimmter Entzündungsmarker (CRP, TRAIL und IP-10) vorliegt. Ein negatives Testergebnis für CRP spricht gegen eine bakterielle Infektion. Es bedarf jedoch noch weiterer Forschung, um den Aussagewert des neuen Schnelltests im klinischen Alltag zu bestätigen.

Kopfläuse

Fast alle Kinder im Kindergarten- oder Schulalter werden einmal oder mehrmals von Kopfläusen (Pediculi capitis) heimgesucht, insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten. Medizinisch sind die Tierchen harmlos, im Gegensatz zu den hierzulande nur in sozialen Brennpunkten (wie Obdachlosenquartieren) vorkommenden Kleiderläusen übertragen Kopfläuse keine Krankheiten.

Leitbeschwerden

  • Juckreiz am Kopf, vor allem hinter den Ohren und am Hinterkopf bzw. im Nacken
  • Kratzbedingte Entzündungen der Kopfhaut
  • Weißliche, schuppenähnliche Nissen (Läuseeier) an den Haaren, vor allem nahe der Kopfhaut.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Eine erste Lausbehandlung in „Eigenregie“ erfolglos war
  • Ihr Kind unter drei Jahre alt ist und Kopfläuse hat

Heute noch, wenn

  • Sie nicht sicher sind, ob es sich um Läuse handelt
  • Ein Kind sehr viele Läuse hat oder die Kopfhaut aufgekratzt und entzündet ist
  • Sie selbst Läuse haben und dazu entweder schwanger sind oder stillen.

Die Erkrankung

Kopfläuse sind 1–4 mm groß und können nur im menschlichen Kopfhaar leben. Dort ernähren sie sich vom Blut der Kopfhaut. Die Einstiche verursachen den oft bei Lausbefall auftretenden Juckreiz. Die Weibchen legen ungefähr einen Monat lang bis zu 10 Eier täglich und kleben diese samt der sie umgebenden Eihülle mit Hilfe eines wasserunlöslichen Klebstoffs als so genannte Nisse an das Haar, und zwar etwa 3–4 mm von der Kopfhaut entfernt. Nach 7–10 Tagen schlüpfen die Larven aus; nach weiteren 7–10 Tagen können diese selbst wieder Eier ablegen.

Wenn das Haar wächst, wandern die Nissen mit dem Haar immer weiter von der Kopfhaut weg – das kann helfen, alte Nissen, die auch bei einer erfolgreichen Läusebehandlung manchmal verbleiben, von frischen Nissen zu unterscheiden: Während letztere immer nahe an der Kopfhaut sitzen, kleben die alten Nissen am Haar weiter außen. Es gilt: Aus Nissen, die weiter als ein Zentimeter von der Kopfhaut entfernt sind, können keine neuen Läuse mehr schlüpfen.

Durch das Kratzen können nässende Hautentzündungen, teilweise mit gelblichen Krusten entstehen. Zusätzlich können auch die Lymphknoten hinter den Ohren und im Nacken anschwellen.

Kopfläuse werden meist von Mensch zu Mensch durch engen Kontakt übertragen. Die Tierchen können zwar weder fliegen noch springen, sind aber schnelle Läufer. Stecken also die "lieben Kleinen" die Köpfe zusammen, und dies tun vor allem Kindergarten- und Grundschulkinder, so können die Läuse mühelos und unbemerkt von Kopf zu Kopf gelangen. Seltener ist die indirekte Übertragung z. B. über Mützen, Kapuzen, Kuscheltiere, Nackenstützen oder Kämme.

Kopfläuse haben nichts mit Hygiene zu tun – auch gewaschene Haare sind für Läuse attraktiv. Dass sich Kinder immer wieder anstecken und die Läuse aus manchen Kindergartengruppen einfach nicht wegzukriegen sind, hat in der Regel damit zu tun, dass sie oft nicht ausreichend behandelt werden – und da reicht ein einziges Kind aus, bei dem vielleicht zuhause nicht alles (inklusive Lausbehandlung) nach Plan läuft.

Das macht der Arzt

Der Arzt sucht die Haare in Nähe der Kopfhaut strähnchenweise auf die weißlichen Nissen ab. Am besten geht dies bei hellem Licht mit einer Lupe. Die Läuse sind zwar auch mit bloßem Auge sichtbar, aber deutlich schwerer zu finden. Wird er fündig, so verordnet der Arzt ein Mittel zur Läuseabtötung. Bei stark gereizter Kopfhaut empfiehlt er möglicherweise eine pflegende Creme zum Einreiben der Kopfhaut, z. B. Lotio alba, eine Heilsalbe oder auch ein Weidenrindenshampoo. In schweren Fällen hilft eine kortisonhaltige Hautcreme.

Eine Unempfindlichkeit (Resistenz) der Läuse gegen die gängigen Läusemittel ist zwar selten, das Problem nimmt aber zu.

Kinder mit Kopfläusen dürfen in vielen Einrichtungen so lange nicht in Kindergarten oder Schule, bis der Arzt oder das Gesundheitsamt bescheinigt haben, dass die Läuse wieder weg sind.

Entlausen der Umgebung

Da Läuse mindestens 1–2 Tage auch ohne Kopfhaut überleben können, muss immer auch die Umgebung mitbehandelt werden:

  • Die gesamte Wäsche, die das Kind in der letzten Zeit getragen hat, ebenso Handtücher, Bettwäsche und waschbare Stofftiere, werden bei mindestens 60 °C in der Waschmaschine gewaschen oder möglichst heiß in den Trockner gegeben. Bei dieser Temperatur überlebt keine Laus.
  • Kämme, Bürsten und andere Gegenstände werden zehn Minuten in mindestens 60 °C heißes Seifenwasser gelegt und anschließend gründlich gereinigt.
  • Gegenstände, die diese Hitze nicht vertragen, kann man in einem dicht verschlossenen Plastiksack zwei Tage tiefgefrieren.
  • Bei ganz empfindlichen Teilen, die weder Hitze noch Kälte vertragen, kann man die Läuse aushungern. Den Gegenstand in einen Plastiksack geben, gut verschließen und vier Wochen bei Zimmertemperatur lagern, ohne ihn zu öffnen.
  • Zur Behandlung der Wohnung (z. B. Sofas) reicht gründliches Saugen.
  • Zweckmäßig ist es, die Fingernägel des betroffenen Kinds gleich zu Beginn kurz zuschneiden, damit es juckende Hautstellen nicht weiter aufkratzt.

Nachkontrollen

Um „Behandlungsversager“ und Wiederansteckung möglichst früh zu entdecken, werden die „Häupter der Lieben“ jeden Tag auf Lausbefall untersucht, zumindest solange, bis die Epidemie im Kindergarten oder in der Schule abgeklungen ist.

Selbsthilfe

Als Erstes: im Kindergarten oder in der Schule sowie bei den Freunden des Kinds Bescheid sagen. Denn die Läusebehandlung ist eine Gemeinschaftsangelegenheit. Ziehen einzelne Eltern im Kindergarten nicht mit, gewinnen die Läuse die Oberhand (ist leider in manchen Einrichtungen inzwischen eher die Regel als die Ausnahme).

Dann wird das betroffene Kind mit einem Läusemittel behandelt. Leider heisst Läusetherapie auch heute noch in aller Regel „chemische“ Behandlung – mit all ihren Nachteilen: Immer öfter wird etwa beobachtet, dass Läuse unempfindlich (resistent) gegen das angewendete Mittel werden – auch gegen die heute gängigen Pyrethroide. Und immer stärker kommen auch die möglichen Nebenwirkungen in die Diskussion . Deshalb sollten alle Läusemittel streng nach Vorschrift angewendet werden, und auch der oft gegebene Rat „zur Sicherheit“ gleich die ganze Familie mitzubehandeln, muss hinterfragt werden.

Immerhin sind in den letzten Jahren einige „nicht-chemische“ Möglichkeiten zur Behandlung entwickelt worden, die aber leider teilweise noch nicht auf dem deutschen Markt verfügbar sind.

  • Studien zeigen, dass allein schon das nasse Auskämmen mit Haarpflegespülung und Läusekamm alle 3-4 Tage in über 50% der Fälle zur effektiven Entlausung führt.
  • Vielversprechend ist die in England entwickelte Methode des „bug busting“, eine Behandlung mit Haar-Conditioner und einem besonders feinen Läusekamm [B11]: Der Kopf wird an vier Tagen innerhalb von zwei Wochen mit gewöhnlicher Haarspülung eingerieben, und dann mit einem sehr feinen Läusekamm ausgekämmt. In England ist hierzu ein spezielles Kit mit verschiedenen Nissenkämmen verfügbar, hierzulande muss improvisiert werden.
  • Eine möglicherweise revolutionäre Behandlung stellt ein in den USA entwickelter spezieller Haarfön mit einem auf das Gebläse aufgesetzten Kamm dar . Wichtig: Ein regulärer Haarfön ist zur Behandlung von Läusen nicht geeignet (ebenso wie Läuse auch nicht in der Sauna verenden).

Vorsorge

Normales Haarewaschen nützt leider nichts gegen Läuse. Manche Eltern haben aber gute Erfahrungen mit einem Weidenrindenshampoo gemacht, das die Haare vor Lausbefall schützen soll. Sind Läuse häufig Gast in der Familie, sind Kurzhaarfrisuren eine weitere Chance, die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Rückfälle zu verringern (langes Haar sorgt für eine wärmere Kopfhaut).

Magenpförtnerenge

Beim normalen Spucken werden meist nur kleine Mengen der Nahrung ausgespuckt und dem Kind geht es dabei gut. Anders ist es bei einer Magenpförtnerenge (Pylorusstenose), bei der die Babys – sie sind fast immer zwei Wochen bis drei Monate alt – nach jeder Mahlzeit den ganzen Mageninhalt wieder erbrechen. Die Magenpförtnerenge betrifft Jungen 5-mal häufiger als Mädchen, zudem ist sie bei Erstgeborenen häufiger als bei den Nachgeborenen. Warum das so ist, ist unbekannt.

Leitbeschwerden

  • Schwallartiges, strahlartiges Erbrechen nach jeder Mahlzeit
  • Gewichtsabnahme innerhalb weniger Tage
  • Weil sie Durst und Hunger haben, trinken die betroffenen Babys trotz des Erbrechens zunächst gierig
  • Im Verlauf von Tagen: zunehmend trockene Windeln und Apathie (Teilnahmslosigkeit).

Wann zum Arzt

Heute noch, wenn Ihr Baby immer wieder schwallartig nach dem Trinken erbricht und nicht an Gewicht zulegt.

Die Erkrankung

Bei der Magenpförtnerenge haben sich die Muskelzüge des Magenausgangs (Magenpförtner oder Pylorus) so sehr verdickt, dass er den Magenausgang zusammendrückt. Die Nahrung kann nun nicht mehr in den Darm gelangen, sondern staut sich im Magen. Und zwar so lange, bis der Druck im Magen so hoch wird, dass die Nahrung schwallartig nach oben befördert wird.

Das macht der Arzt

Durch Abtasten kann der Kinderarzt manchmal den verdickten Pförtner wie eine Olive im Bauchraum tasten. Zur Diagnose bedarf es aber meist einer Ultraschalluntersuchung, die den verdickten Pförtner nachweist.

Ist die Diagnose gesichert, so wird meist noch am selben oder am darauf folgenden Tag operiert. Denn nur durch eine Operation lässt sich die Engstelle rasch und komplikationsarm beseitigen. Bei der Operation wird der Pförtner in Längsrichtung eingeschnitten, so dass er sich weitet. Diese auch als Pylorotomie bezeichnete Operation kann heute auch minimal-invasiv (laparoskopisch ) durchgeführt werden.

Nabelkolik

Kinder im späten Kindergarten- und Grundschulalter haben nicht selten wiederkehrende Bauchschmerzen in der Nabelgegend ohne fassbare Ursache. Man spricht dann von einer Nabelkolik oder auch von funktionellen Bauchschmerzen. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.

Leitbeschwerden

  • Wiederholte, plötzlich auftretende, oft heftige Bauchschmerzen in der Nabelgegend, oft nur Minuten bis eine Stunde dauernd. Zwischen den Bauchschmerzanfällen ist das Kind gesund und beschwerdefrei
  • Begleiterscheinungen wie Blässe, Schweißausbruch oder Kopfschmerzen kommen vor.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn Ihr Kind in letzter Zeit mehrfach die genannten Beschwerden hatte

Heute noch, wenn

  • Die Bauchschmerzen nicht nachlassen
  • Das Kind mehrfach erbricht

Sofort, wenn

  • Bauchschmerzen, die in der Nabelgegend angefangen haben, in den rechten Unterbauch gewandert sind; in diesem Fall besteht Verdacht auf eine Blinddarmentzündung
  • Der Bauch des Kindes zunehmend hart wird, oder das Kind apathisch (teilnahmslos) wird.

Die Erkrankung

So häufig Nabelkoliken sind, so wenig haben die Ärzte sie bisher verstanden. Offenbar neigen manche Kinder dazu, auf Stresssituationen jeglicher Art (das können unangenehme „Termine“ wie der Zahnarzt aber auch herbeigesehnte Ereignisse wie ein Kindergeburtstag sein) mit einer Verkrampfung des Darmes zu reagieren.

Nabelkoliken sind immer eine Ausschlussdiagnose, das heißt: Liegen gleichzeitig andere Magen-Darm-Beschwerden vor (z. B. Verstopfung oder Durchfall) so spricht das eher für andere Ursachen (z. B. chronische Verstopfung oder eine Magen-Darm-Infektion). Auch nächtliche Bauchschmerzen (also ein schmerzbedingtes Aufwachen aus dem Schlaf) oder schlechtes Gedeihen schließen eine Nabelkolik aus, sie haben immer andere Ursachen.

Das macht der Arzt

Der Arzt untersucht das Kind, um andere Ursachen der Bauchschmerzen auszuschließen, z. B. eine Verstopfung, eine beginnende Magen-Darm-Infektion oder eine Blinddarmentzündung. Der Untersuchungsbefund bei einer Nabelkolik ist normal: Der Bauch des Kindes ist weich, ein eindeutig lokalisierbarer Druckschmerz ist nicht vorhanden. Das Kind kann sich ohne Schmerzen bewegen. Das Abhören des Bauchs zeigt, dass der Darm normal arbeitet. Nur in Ausnahmefällen sind weitergehende Untersuchungen, z. B. ein Ultraschall, nötig.

Selbsthilfe

Man erklärt sich die Nabelkoliken durch ein Zusammenspiel von Stress auslösenden Situationen und der – möglicherweise anlagebedingten – Bereitschaft, auf solche Situationen mit Bauchbeschwerden zu reagieren. Entsprechend besteht die Behandlung in erster Linie aus dem geduldigen Zuwarten, das durch eine ruhige Umgebung, eine sanfte Bauchmassage (Hände vorher anwärmen), eine Wärmeflasche oder feuchtwarme Bauchwickel erleichtert werden kann. Schmerzmittel sind nicht hilfreich, denn sie wirken erst nach ~ 20 Minuten, und dann sind die Koliken meist schon vorbei.

Komplementärmedizin

Die wirkungsvollsten Heilpflanzen bei Nabelkoliken sind die Kamille und der Fenchel. Bei einer Bauchmassage können Kamillen- oder Fenchelöl einmassiert werden, auch für den Bauchwickel ist die Kamille ein bewährter Zusatz.

Refluxkrankheit bei Babys

Bei der Refluxkrankheit (gastro-ösophageale Refluxkrankheit) fließt wie beim normalen Spucken Speisebrei vom Magen zurück in die Speiseröhre, allerdings so oft und stark, dass dadurch Beschwerden und Krankheitszeichen entstehen. Betroffen sind etwa 5 % der Säuglinge, besonders häufig ehemalige Frühgeborene und Kinder mit neurologischen Erkrankungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Das Baby nach dem Füttern stark spuckt und nicht ausreichend an Gewicht zunimmt
  • Das Baby auffällig viel hustet
  • Ein älteres Kind häufig Sodbrennen hat

Heute noch, wenn

  • Blutige oder bräunliche Fädchen in der herausgelaufenen Milch zu sehen sind
  • Das Baby zusätzlich zu den Refluxbeschwerden Fieber hat
  • Das Baby nach jeder Mahlzeit „im Schwall“ (d. h. in hohem Bogen) erbricht und allmählich apathisch wird.

Die Erkrankung

Wie beim Erwachsenen (Refluxkrankheit des Erwachsenen) wirkt auch bei Kindern der Mageneingang zusammen mit dem Zwerchfell wie ein Ventil: Es kann zwar Speise aus der Speiseröhre in den Magen gelangen, aber kaum zurück. Dieser schützende Ventilmechanismus ist bei verschiedenen Erkrankungen gestört, z. B. bei einem Zwerchfellbruch (Hiatushernie) mit Verlagerung des Magens in den Brustraum. Auch bei einer allgemeinen Muskelerschlaffung (Hypotonie), wie sie bei vielen neurologischen Störungen auftritt, oder infolge eines Sauerstoffmangels bei der Geburt oder anderen Entwicklungsverzögerungen, funktioniert die Abdichtung nicht so gut. In vielen Fällen allerdings kann bei Kindern gar keine sichere Ursache gefunden werden: Die Kinder sind ansonsten gesund und auch anatomisch ist alles normal angelegt.

Da die Speiseröhrenschleimhaut im Gegensatz zur Magenschleimhaut nicht für den sauren Mageninhalt „gebaut“ ist, entzündet sie sich bei ständig wiederkehrendem Kontakt mit dem stark säurehaltigen Mageninhalt – Sodbrennen, Schmerzen, aber auch schleichende Blutverluste und spätere Geschwüre oder gar Vernarbungen sind mögliche Langzeitfolgen. Meist fallen die betroffenen Kinder so auf:

  • Die betroffenen Säuglinge spucken so intensiv, dass sie zuwenig Nahrung behalten und deshalb nicht gedeihen.
  • Manchmal entzündet sich die Speiseröhre (Ösophagitis); die Kinder weinen viel, strecken sich nach dem Trinken krampfartig, um die Schmerzen „wegzudrücken“.
  • Manchmal kann die Entzündung so stark sein, dass wegen der beständigen Sickerblutungen eine chronische Blutarmut (Anämie) entsteht.
  • Selten gelangt bei einer Refluxkrankheit auch ein Teil des Speisebreis in die Bronchien; dies geschieht besonders bei Kindern mit neurologischen Problemen, z. B. einer Zerebralparese. Die betroffenen Kinder husten viel und haben möglicherweise wiederkehrende Lungenentzündungen.
  • Aber auch Asthma kann in manchen Fällen durch einen Reflux bedingt sein. Gelangt nämlich saurer Speisebrei in den Kehlkopf, verengen sich über Reflexe die Bronchien. Bei Früh- und Neugeborenen bewirken ähnliche Reflexe, dass sie eine Zeitlang die Luft anhalten (Apnoen).
  • Auch das Risiko für Mittelohrentzündungen ist erhöht – möglicherweise, weil kleinste zurückfließende Mengen Magensaft über die Eustachische Röhre ins Mittelohr gelangen.

Das macht der Arzt

Falls ein Baby nur etwas mehr spuckt als der Durchschnitt, sonst aber gedeiht und keine Krankheitszeichen zeigt, sind weder technische Untersuchungen noch eine spezielle Behandlung erforderlich. Denn häufiges „Spucken“ kann im ersten Lebensjahr absolut normal sein. Bei stärkeren Beschwerden sind jedoch eine genaue Diagnose und eine zielgerichtete Therapie notwendig.

Zur Unterdrückung der Magensäure werden Kindern oft Medikamente (z. B. mit Ranitidin oder Omeprazol) verabreicht. Diese teilweise auch rezeptfrei erhältlichen Medikamente sollten bei Kindern aber nur nach Rücksprache und Verordnung durch den Arzt gegeben werden – gleiches gilt auch für Medikamente, die die Magenentleerung fördern, z. B. Metoclopramid.

Empfohlen werden häufige kleine Mahlzeiten. Babys werden nach der Mahlzeit am besten noch etwa 15–30 Minuten aufrecht auf dem Arm gehalten, bevor sie abgelegt werden. Auch für Kinder ist eine leichte Oberkörperhochlagerung gut; denn diese hält die Nahrung eher im Magen. Die früher empfohlene Bauchlage wird heute abgelehnt, da sie das Risiko eines plötzlichen Kindstods erhöht. Am günstigsten für die Magenentleerung ist die Rechtsseitenlage.

Zu strammes Wickeln gilt es zu vermeiden – der Bauch sollte nicht noch zusätzlich unter Druck geraten.

Falls das Kind Flaschennahrung bekommt, kann diese mit Reisschleimflocken oder Nestargel® eingedickt werden, dies vermindert das „Zurückschwappen“ des Speisebreis. Selten ist – bei Versagen der medikamentösen Behandlung oder bei Komplikationen – eine Operation, wie etwa eine Fundoplikatio („Festnähen“ des Magens) erforderlich.

Schulprobleme und Teilleistungsstörungen

Schulprobleme sind häufig und haben vielfältige Ursachen – von anlagebedingten Behinderungen, z. B. einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, über Verhaltensprobleme bis hin zu sozialen Problemen wie z. B. Mobbing. Um helfen zu können, muss für jedes Kind eine Bestandsaufnahme gemacht werden, die zeigt, wo es im „System Lernen“ hakt. Werden diese „Haken“ nicht beseitigt, droht ein Teufelskreis: Der Spaß und die Leistungen in der Schule werden geringer. Durch die negativen Erfahrungen in der Schule entsteht ein mangelndes Selbstwertgefühl und als Folge treten Verhaltensprobleme auf, die den Spaß und die Leistung in der Schule noch weiter verringern.

Bei einer Teilleistungsschwäche besteht eine Funktionsschwäche in bestimmten Teilbereichen des Denkens, Fühlens oder Sprechens. Bei stärker ausgeprägten Formen wird von einer Teilleistungsstörung gesprochen. Solche Teilleistungsstörungen sind z. B. die Lese-Rechtschreib-Schwäche (siehe unten) und die Rechenstörung (Dyskalkulie), eine begrenzte Störung im mathematischen Bereich.

Leitbeschwerden

Bei Schulproblemen:

  • Sich verschlechternde Schulleistungen
  • Schlechte Motivation, Schulangst
  • Durch die ständigen Misserfolge in der Schule können Verhaltensauffälligkeiten entstehen, die den Schulerfolg weiter gefährden
  • Psychosomatische Beschwerden, z. B. Bauch- oder Kopfweh.

Bei Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS):

  • Auffällig große Diskrepanz zwischen den Lese- und Schreibfertigkeiten eines Kindes und seinen übrigen geistigen und schulischen Fähigkeiten
  • Im sprachlichen Bereich vor allem die Verwechslung ähnlich klingender Laute (z. B. d/t) oder ähnlich aussehender Buchstaben (d/b), das Auslassen und „Verdrehen“ von Buchstaben („nud“ statt „und“). Das Kind erkennt zudem nicht, wenn das Gelesene keinen Sinn ergibt.

Schon bei Kleinkindern gibt es eine Reihe von Warnsignalen, die auf eine spätere Lese-Rechtschreib-Schwäche hindeuten können:

  • Das Kind hat Schwierigkeiten beim Zuhören
  • Es zeigt kaum Bereitschaft, Wörter nachzusprechen
  • Das Kind kann Informationen nur aufnehmen, wenn es direkt angesprochen wird
  • Das Kind hat ein schlechtes Gedächtnis für Wochentage, Farben und Namen
  • Das Kind kann sich auch kürzeste Gedichte und Reime nicht merken.

Wann zum Arzt

In den nächsten 2 bis 4 Wochen, wenn Ihr Kind schlechte Schulleistungen erbringt und weder Sie noch die Lehrkraft wissen, woran es liegen könnte.

Die Erkrankung

Ursachen von Schulproblemen. Wenn Kinder Probleme in der Schule haben, kann dies viele Gründe haben:

  • Ein Kind ist den Anforderungen der Schule, oder einer bestimmten Schulform, von seiner geistigen Entwicklung oder Begabung her nicht gewachsen. So beeinträchtigt jede Intelligenzminderung die Abstraktionsfähigkeit, Auffassungsgabe, Konzentrations- und Merkfähigkeit, und dies manchmal so sehr, dass die Kinder in der Regelschule überfordert sind.
  • Bei anderen Kindern spielt eine zu hohe Leistungserwartung eine Rolle, wodurch viele Kinder heute die für sie falsche Schulform, insbesondere das Gymnasium, besuchen. Früher oder später zeigen sich Schulprobleme als Ausdruck der chronischen Überforderung und Überlastung.
  • Schulprobleme ergeben sich – unabhängig von der Intelligenz oder Reife des Kindes – auch durch psychische Störungen oder Verhaltensprobleme. So sind Kinder mit Angststörungen, Depressionen, AD[H]S, Aggressionsstörungen oder Störungen des Sozialverhaltens beim Lernen schwer eingeschränkt.
  • Auch Probleme in der Gruppe können sich in Schulproblemen einzelner Schüler äußern. Außenseiter finden in der Gruppe keine positive Verstärkung, und Rollenfestschreibungen innerhalb der Gruppe (z. B. Klassenkasper) erschweren manchen Kindern das Lernen. Schwerwiegende Gruppenprobleme entstehen durch Mobbing, aber auch durch Bevorzugung oder Benachteiligung von Seiten der Lehrer.
  • Chronische Krankheiten werden von Eltern gelegentlich vermutet, sind aber eher selten die Ursache von Schulproblemen. Die meisten Kinder, die mit der Schule Probleme haben, sind körperlich gesund. Eine Ausnahme sind Kinder mit Sinnesstörungen, etwa einer bisher unerkannten Seh- oder Hörbehinderung.
  • Lebenskrisen, z. B. Scheidung der Eltern, unglückliche Beziehungen in der Pubertät oder heftige Probleme mit einem oder beiden Elternteilen, können sich in Schulproblemen äußern.
  • Viel häufiger aber sind Kinder mit besonderen Teilleistungsschwächen. Diese Kinder verfügen über alles, was sie für den Erfolg in der Schule benötigen; sind also normal intelligent, erfahren die richtige Förderung durch das Elternhaus und sind – zumindest anfänglich – von ihrer Psyche und ihrem Verhalten her „gut gestimmt“; sie haben aber trotzdem schulische Probleme.

Lese- und Rechtschreibschwäche. Bei der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS, Dyslexie, Legasthenie) besteht eine Störung des Lesens und Schreibens. Als Folge können die Noten in fast allen Schulfächern absinken, da Lesen und Schreiben praktisch überall gebraucht werden (beispielsweise in der Mathematik bei Textaufgaben). Die Häufigkeit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche wird auf ~5% geschätzt, wobei Jungen dreimal häufiger betroffen sind als Mädchen. Die genauen Ursachen sind bis heute unklar, eine ganz entscheidende Rolle spielen sicherlich erbliche Anlagen: Hat ein Kind etwa einen Elternteil oder ein Geschwisterkind mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, so hat es eine Wahrscheinlichkeit von etwa 40–50 %, selbst davon betroffen zu sein.

In leichten Fällen oder bei hoher Intelligenz kann das Kind seine Störung z. B. durch Auswendiglernen oder rasches Kombinieren kaschieren, so dass die Störung erst im dritten oder gar vierten Grundschuljahr auffällt.

Der Verdacht kann durch einfache und spielerische Testverfahren, z. B. durch das Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten erhärtet werden. Diese werden auch in immer mehr Kindergärten durchgeführt. Leider sind diese Tests nicht 100 % zielgenau: Fast jedes fünfte Kindergartenkind zeigt auffällige Ergebnisse, aber nur ein Fünftel dieser Kinder entwickelt später tatsächlich eine Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Bei jedem Kind, das trotz guter allgemeiner Bedingungen und ausreichendem Fleiß Schulprobleme hat, prüft der Kinderarzt zunächst das Vorliegen einer Seh- oder Hörstörung sowie einer Intelligenzminderung. Vermutet der Arzt bestimmte Verhaltensprobleme (wie etwa ein AD[H]S), so schließen sich weitere Tests an. Wenn notwendig, wird das Kind auch an einen Spezialisten überwiesen.

Steht die Schuleignung in Zweifel, so sollte das Kind von Psychologen getestet werden, die nicht nur seine Intelligenz, sondern auch seine speziellen Begabungen und Einschränkungen beurteilen können.

Zum Ausschluss bzw. zur Feststellung der Teilleistungsstörung gibt es standardisierte Verfahren mit Testbögen, die ab dem Ende der ersten Klasse durchgeführt werden können. Beispielsweise das Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten. Eine zuverlässige Diagnose ist aber meist erst am Ende der zweiten Klasse möglich.

Therapie. Wird eine Teilleistungsstörung entdeckt, so helfen langfristig nur spezielle Übungsbehandlungen durch geschulte Pädagogen; die hierbei verwendeten Methoden sind allerdings noch immer umstritten. Die außerhäusliche Hilfe glättet im Idealfall auch die Wogen der durch die Schulprobleme oft schwer strapazierten Kinderseele und hilft der Familie, ihr Kind besser zu verstehen.

Kinder mit LRS haben Anspruch auf gezielte schulische Förderung. Diese sollte idealerweise zweimal wöchentlich in Kleingruppen bis maximal fünf Kindern (auf ähnlichem Leistungsniveau!) stattfinden. Wie gut das örtliche Angebot ist, hängt entscheidend von der Schule und vor allem dem Bundesland ab, da die rechtlichen Bedingungen unterschiedlich sind. Selbsthilfegruppen, Schulbehörde und Jugendamt geben entsprechende Auskünfte. Das Jugendamt ist auch deshalb eine gute Anlaufstelle, weil alle Fördermaßnahmen bei Lese-Rechtschreib-Schwäche nicht über die Krankenkasse, sondern nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz abgewickelt werden.

Prognose

Durch früh einsetzende Förderung lassen sich Schulprobleme besser meistern, die Legasthenie wächst sich jedoch nicht ganz aus, sondern begleitet das Kind häufig auch noch in seinem Berufsleben.

Selbsthilfe

Vorschulkinder lassen sich mit gezielten Sprach-Spiel-Programmen wirksam in ihrer Sprachentwicklung fördern. Erstaunlicherweise haben sich dabei manche altmodischen „Fördermaßnahmen“ auch im Lichte moderner Forschung als zweckmäßig erwiesen: Singen, Klatschen und Reimen machen den Kindern z. B. die Gliederung der Sprache in Silben bewusst. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf die genaue Aussprache und schulen so die phonologische Bewusstheit (d. h. die Fähigkeit, den Klang der Wörter und die einzelnen Laute wahrzunehmen).

Als Eltern können Sie die Bedingungen für das Lernen verbessern, indem die Hausaufgaben:

  • Von Anfang an fest in den Tagesablauf integriert werden
  • Zwar nach einer kleinen Erholungspause, aber bald nach der Heimkehr oder dem Mittagessen gemacht werden. Das bei vielen Erwachsenen vorhandene Tief zwischen 13 und 15 Uhr ist bei Kindern oft weit weniger ausgeprägt
  • An einem ruhigen (möglichst stets gleichen) Ort ohne Ablenkung erledigt werden
  • Selbstständig erledigt und auch als eigene Angelegenheit verstanden werden. Das schließt eine Kontrolle natürlich nicht aus.

Weiterführende Informationen

  • www.schulpsychologie.de – Umfangreiche Website zu allen Themen rund um das Thema Schulschwierigkeiten. Empfehlenswert.
  • www.legasthenie.net – Website des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e. V., Hannover: Mit zahlreichen Tipps und Links.
  • P. Küspert: Hören, lauschen, lernen. Vandenhöck & Ruprecht, 2006. Hilfen für RLS-Kinder im Vorschulalter.
  • C. Reuter-Liehr: Lautgetreue Lese-RechtschreibFörderung. Verlag Dieter Winkler, 2006. Hilfen für RLS-Kinder im Lesealter.
  • G. Schulte-Körne: Das Marburger Rechtschreibtraining. Verlag Dieter Winkler, 2007. Hilfen für RLS-Kinder im Schulalter.

Vorhautverengung

Bei etwa 3 % aller Jungen ist die Vorhaut so eng, dass dadurch Beschwerden entstehen. Eine solche Vorhautverengung (Phimose) ist gleichzeitig die häufigste Ursache von Vorhautentzündungen im Kindesalter.

Leitbeschwerden

  • Beschwerden beim Wasserlassen, „Ballonierung“ der Vorhaut, dünner Harnstrahl
  • Wiederkehrende Vorhautentzündungen.

Wann zum Arzt

Bei Gelegenheit, wenn Sie vermuten, die Vorhaut Ihres Sohnes sei zu eng

In den nächsten Tagen, wenn die Vorhaut Ihres Sohnes sich beim Wasserlassen ballonartig aufbläht oder Ihnen der Harnstrahl sehr dünn vorkommt.

Die Erkrankung

Bei männlichen Babys ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt und kann (und soll) nicht zurückgezogen werden. Durch diesen Trick schützt die Natur die empfindliche Eichel während der „Windelphase“ vor der Einwirkung des recht aggressiven Urins. Etwa bis zum dritten Geburtstag löst sich diese Verklebung langsam, aber nicht in jedem Falle vollständig.

Im Einzelfall kann die vollständige Lösung erheblich länger dauern, und manche Jungen können erst dann die Vorhaut ohne Probleme hinter die Eichel schieben, wenn die ersten Geschlechtshormone zu Beginn der Pubertät die Vorhaut auflockern. Ein Nachteil ist dies nicht: Die volle Mobilität der Vorhaut ist erst beim Geschlechtsverkehr gefragt, und die regelmäßige Reinigung der Eichel ist auch erst mit Einsetzen der Pubertät erforderlich, denn erst jetzt bildet sich an der Vorhaut das talgartige Smegma.

Manchmal aber ist die Vorhaut so eng, dass sie sich auch beim pubertierenden Jungen kaum oder gar nicht hinter die Eichel zurückstreifen lässt. Dies führt zu Schmerzen oder zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen – erkennbar daran, dass sich die Vorhaut beim „Pinkeln“ ballonartig aufbläht. Die Vorhautverengung begünstigt auch die Entstehung schmerzhafter Entzündungen der Vorhaut und der Eichel (Balanitis), die meist durch Bakterien hervorgerufen werden.

Es sollte nie versucht werden, bei einem kleinen Jungen die Vorhaut gewaltsam zurückzuschieben, um den Lösungsprozess zu beschleunigen oder die Eichel zu waschen, denn das ist bei Kindern nicht nötig. Dies führt zu Einrissen und in der Folge zu narbigen Verengungen der Vorhaut.

Paraphimose. Ist die Vorhaut sehr eng, besteht die Gefahr, dass sie sich zwar gerade noch hinter die Eichel schieben lässt, aber nicht mehr zurück. Diese Paraphimose muss sofort ärztlich behandelt werden, da der so entstandene Schnürring die Blutversorgung der Eichel unterbricht.

Das macht der Arzt

Hat das Kind keine Beschwerden, wird am Besten abgewartet. Die früher öfter genannte Regel, gewartet werden solle bis zum dritten Geburtstag, ist nicht wissenschaftlich abgesichert: Meist löst sich eine danach noch bestehende Vorhautenge bis zur Pubertät von selbst. Zu Recht rät aber die Mehrzahl der Ärzte bei den folgenden Problemen zu einer Operation:

  • Behinderung des Harnflusses, erkennbar an einem ballonartigen Aufblähen der Vorhaut beim Wasserlassen
  • Blutigem Urin
  • Wiederkehrenden Vorhautentzündungen
  • Häufigen Schmerzen.

Die Operation besteht in einer Beschneidung (Zirkumzision), d. h. der Entfernung der Vorhaut.

Windelausschlag

Es gibt praktisch keinen Säugling, der nicht immer einmal wieder an einem wunden Po oder Wundsein leidet – also dem, was der Arzt dann als Windelausschlag (Windeldermatitis) bezeichnet. Rechtzeitig bemerkt, löst sich das Problem durch eine intensivierte Hautpflege binnen weniger Tage von selbst.

Leitbeschwerden

  • Hautrötung, sie beginnt meist um den Anus herum
  • Ausbildung kleiner Knötchen und Schuppungen
  • Offene, nässende Stellen
  • Bei zusätzlicher Pilzinfektion Pusteln und Knötchen, die in die Umgebung streuen.

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Sich der wunde Po durch verstärkte Pflegemaßnahmen nicht „in den Griff“ bekommen lässt
  • Sich viele Knötchen bilden, die sich auch auf die bisher gesunde Haut ausbreiten; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Hefepilze

Heute noch, wenn sich Bläschen bzw. gelbe Krusten oder Fieber entwickeln; dies ist ein Hinweis auf eine zusätzliche Infektion durch Bakterien.

Die Erkrankung

Unter dem Windelpaket ist die zarte Kinderhaut durch die Feuchtigkeit immer stark belastet. Urin und Stuhl tun ein Übriges, um die Haut zu reizen. Kein Wunder, dass schon Durchfall oder ein versäumter Windelwechsel ausreichen können, dass sich die Haut auch sichtbar entzündet, d. h. wund wird. Auch wenn Gläschen mit neuer Nahrung beigefüttert werden oder wenn das Kind Fruchtsäfte oder Zitrusfrüchte bekommt, ist die Windeldermatitis häufiger.

Ist die Windeldermatitis nach einer Nahrungsumstellung aufgetreten, handelt es sich in aller Regel nicht um eine Allergie, sondern um eine natürliche Reaktion auf die neue Nahrung, die den Stuhlgang eine Zeit lang verändert. Durch intensivierte Po-Pflege gewöhnt sich die Haut bald an die neue Nahrung.

Oft kommt zum wunden Po noch ein weiteres Problem hinzu: Auf der geschädigten Haut siedeln sich nämlich leicht die im Darm bei jedem Kind vorkommenden Hefepilze (Candida albicans) an, und machen aus dem Wundsein einen Windelsoor. Er ist daran zu erkennen, dass die Hautveränderungen nun nicht mehr scharf begrenzt sind, sondern sich Streuherde (einzelne Knötchen und Pusteln) in der Umgebung finden, etwa auf dem Bauch oder den Oberschenkeln. Oft schuppt sich beim Windelsoor auch die Haut am Rand des Ausschlags.

Sehr viel seltener infiziert sich wunde Haut mit Bakterien, v. a. mit Staphylokokken. Eine solche aufgepfropfte bakterielle Infektion ist an den einzeln stehenden, von einem deutlichen roten Hof umrandeten Pusteln, Blasen oder Knötchen zu erkennen. Die Pusteln des Windelsoors sind viel kleiner, zahlreicher und haben keinen so ausgeprägten „zornig roten“ Hof.

Das macht der Arzt

Bei offenen Stellen der Haut verordnet der Arzt desinfizierende oder gerbstoffhaltige Präparate (z. B. Chlorhexidin® oder Tannosynth®) zum Auftragen oder Aufpinseln, seltener auch als Bäder oder feuchte Umschläge. Solche Präparate trocknen die Haut und beugen einer Infektion vor.

Ist es bereits zu einer zusätzlichen Hautinfektion durch Pilze gekommen, verordnet der Arzt gegen Pilze wirksame Salben oder Cremes (Antimykotika). In ausgeprägten Fällen, oder wenn gleichzeitig ein Mundsoor besteht, können Antimykotika zum Schlucken notwendig sein, damit die Pilze des Darms nicht immer wieder die Windelregion befallen.

Bei bakteriellen Hautinfektionen sind antibiotische Cremes notwendig. Vor allem kleine Babys müssen manchmal die Antibiotika auch einnehmen. Bei Fieber ist unter Umständen sogar eine intravenöse Behandlung im Krankenhaus unumgänglich.

Selbsthilfe

Der Windelausschlag verschwindet meist durch intensive Hautpflege. Zur Vorbeugung sollten Sie:

  • Ihr Kind immer dann sofort wickeln, wenn es Stuhlgang hatte. Zur Säuberung verwenden Sie ölgetränkte Tücher oder einen weichen Waschlappen und Wasser. Danach wird die Haut vorsichtig trocken getupft (nicht reiben!). Tut das dem Kind weh, kann auch trocken geföhnt werden.
  • Ihr Kind möglichst oft mit nacktem Po auf einer Decke strampeln lassen, damit Luft an die Haut kommt. Insgesamt ist das der wirksamste Schutz.
  • Zum Schutz der Babyhaut eine zinkhaltige Salbe (kann vom Apotheker selbst gemischt werden) verwenden; sie schützt vor allem nachts. Puder sind ungeeignet, da sie verklumpen und die Haut aufscheuern können.
  • Keine Stoffwindeln verwenden; sie bieten keine Vorteile. Einmalwindeln saugen die Feuchtigkeit besser auf.

Komplementärmedizin

Gerbstoffhaltige Pflanzenextrakte als Zusatz zu einem Bad oder Sitzbad können die Heilung der Haut beschleunigen. Zur Basispflege bei Windeldermatitis hat sich Calendula-Heilsalbe bei jedem Windelwechsel bewährt (z. B. Weleda Calendula Babycreme®). Der Apotheker kann Ihnen auch eine Salbe mit Zinkanteil und Pflanzenextrakt mischen. In diesen Salben sind Extrakte z. B. von Calendula, Eichenrinde, Hamamelis oder Kamille enthalten.

Die empfindliche Haut kann mit warmem Schafgarbentee gereinigt werden (1 Teelöffel mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen).

Übergewicht und Adipositas bei Kindern

Übergewicht: Zu hohes Körpergewicht (über der 90 %-Perzentilenkurve gleichgeschlechtlicher Altersgenossen). Viele dieser Kinder haben langfristig mit Gesundheitsproblemen zu rechnen.

Adipositas (krankhaftes Übergewicht, Fettleibigkeit, Fettsucht): Wesentlich zu hohes Körpergewicht (über der 97 %-Perzentilenkurve gleichgeschlechtlicher Altersgenossen). Fast alle dieser Kinder haben über kurz oder lang mit gesundheitlichen Problemen zu rechnen.

Als Basis für die Beurteilung des Körpergewichts dienen spezielle Kurven (Perzentilenkurven), an denen abgelesen werden kann, wo ein Kind im Vergleich zur gleich alten Normgruppe steht. Sie sind Basis für den altersbezogenen Body-Mass-Index (BMI) zur Beurteilung des Übergewichts bei Kindern. Heute sind in Deutschland nach dieser Einteilung etwa 15 % der Schulkinder übergewichtig, 6 % sind adipös. Und jedes Jahr kommen 0,5–1 % übergewichtige und etwa 0,2–0,5 % adipöse Kinder hinzu.

Trotzdem ist es nicht ganz richtig, von einer Epidemie zu sprechen: Regelmäßige Messungen über die letzten Jahre zeigen, dass der BMI bei Kindern in den deutschsprachigen Ländern insgesamt nur wenig anstieg. Es gibt in deutschen Schulen noch genauso viele dünne Kinder wie vor 20 Jahren, die dicken Kinder sind jedoch deutlich dicker geworden. Und Adipositas betrifft in erster Linie eine Risikogruppe von Kindern aus sozial benachteiligten Familien sowie Immigrantenfamilien.

Die Erkrankung

Im Vergleich zu Erwachsenen spielt beim Entstehen von Übergewicht bei Kindern Bewegungsmangel eine größere Rolle als Überernährung, aber diese Aussage ist wissenschaftlich nur schwer zu sichern. Tatsache ist, dass die Portionsgrößen beim kommerziellen Nahrungsangebot stark zugenommen haben, und dass über die Hälfte der Kleinkinder regelmäßig zu kaloriendichte und zu süße Kindernahrung (z. B. Fruchtzwerge oder Fastfood) konsumiert.

Frühe Prägungen. Zum Teil lässt sich das Übergewicht von Kindern auf frühe Prägungen zurückführen.

Schon im Mutterleib werden möglicherweise die ersten Weichen für späteres Übergewicht gestellt:

  • So dürfte die vorgeburtliche Programmierung des Stoffwechsels eine Rolle spielen: Im Mutterleib unterversorgte Kinder stellen ihren Stoffwechsel langfristig auf "Sparbetrieb" um. Deshalb sind im Mutterleib unterversorgte Neugeborene im Erwachsenenalter häufiger übergewichtig.
  • Dazu passt auch, dass mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft das spätere Adipositas-Risiko deutlich erhöht.

Darüberhinaus gibt es Hinweise, dass die Fütterung mit Säuglingsmilchnahrungen Übergewicht begünstigt: So liegt das Körpergewicht von mit Säuglingsmilchnahrungen ernährten Kindern im Vergleich zu gestillten Kindern am Ende des ersten Lebensjahres bis 650 g höher [258]. Das wird dadurch erklärt, dass nicht oder nur teilweise gestillte Kinder im Vergleich zu voll gestillten Kindern 20 % mehr Kalorien zu sich nehmen [259, 260]. So haben gestillte Kinder nicht nur ein insgesamt geringeres Risiko für späteres Übergewicht im Kindesalter , sondern sind auch weniger anfällig für Allergien.

Wie eine US-amerikanische Studie belegt, fördert jedoch nicht jede Säuglingsnahrung das Dicksein. Vielmehr hängt es davon ab, ob die Babys Nahrung aus getrockneter Kuhmilch erhalten oder aus Hydrolysaten, das heißt aus zerkleinerten Eiweißen. Solch eine Hydrolysatmilch bekommen vor allem Säuglinge mit einer Milchzuckerunverträglichkeit gefüttert. Sie eignet sich aber auch für alle anderen Babys, da sie einer übermäßigen Gewichtszunahme und damit Übergewicht vorbeugt. Der Grund: Der Darm verwertet Hydrolysate besser als Kuhmilcheiweiße und sorgt so für ein frühzeitigeres Sättigungsgefühl. Dadurch nahmen in der Studie die Säuglinge, die mit Hydrolysatmilch gefüttert wurden, auch viel langsamer zu als die mit Kuhmilch gefütterten Babys.

Interessanterweise hat auch das (Über-)Gewicht älterer Geschwister einen messbaren Einfluss auf das Dickwerden. Dies gilt besonders, wenn die Geschwister das gleiche Geschlecht besitzen.

Bewegungsmangel. Der zunehmende Bewegungsmangel bei Kindern schlägt sich in Fitnessuntersuchungen deutlich nieder: Konnten 1995 Berliner Schülerinnen mit elf Jahren durchschnittlich noch 3,10 m weit springen, so waren es vier Jahre später nur noch 2,78 m. Die Jungen stehen nicht nach: 10-jährige Jungen, die 1970 im Schnitt bei einem 6-Minuten-Sprint noch 1 150 m weit kamen, schaffen es heute nicht einmal mehr bis zur 900-m-Marke. Nach neueren Untersuchungen beginnt der Bewegungsmangel schon sehr früh im Kleinkindalter .

Soziale Ursachen. Bei der Frage, warum sich Kinder heute weniger bewegen, schwingt immer die implizite Schuldfrage mit. Dabei hat Bewegungsmangel oft nichts mit bewussten Entscheidungen zu tun, sondern geht zumindest teilweise auf Änderungen der Lebenswelt zurück. Tatsache ist, dass die Lebenswelt von Kindern heute stärker vereinzelt (weniger Spielpartner in unmittelbarer Nähe), verinselt (Freunde können nicht zu Fuß erreicht werden) und entstraßlicht ist (die Straße als Spielraum entfällt). Zudem entfallen wichtige Bewegungsroutinen für Kinder (z. B. der Schulweg). Gleichzeitig stehen attraktive, aber bewegungsarme Freizeitbeschäftigungen wie Fernsehen und Computerspiele zur Verfügung.

Die Entwicklung des Fettkörpers bei Kindern

Kinder starten ihr Leben mit einer Fettmasse von etwa 11 % des Körpergewichts, die sich bis Ende des 1. Jahres auf 25 % erhöht (Babyspeck). Diese Fettzunahme ist genetisch programmiert. Ebenso programmiert ist die danach folgende Phase der Rückbildung des Fettgewebes, bis ins Alter von etwa 5 ½ Jahren. Am Ende der Kindergartenzeit hat der BMI sein Minimum erreicht – in diesem Alter sollten Kinder mager sein. Erst mit dem Ende des 6. Lebensjahres steigt die Fettmasse wieder langsam an (so genannter adiposity rebound), und nimmt dann mit der Pubertät – v. a. bei Mädchen – stark zu.

Das macht der Arzt

Wie bei Erwachsenen schließt der Arzt zunächst Krankheiten als mögliche Ursachen aus und untersucht das Kind auf bereits vorhandene Schäden.

Ab wann einem adipösen Kind eine Therapie anzuraten ist, ist derzeit nicht zu beantworten. Langfristige, d. h. über 3–5 Jahre anhaltende Erfolge, sind bisher nicht sicher nachgewiesen. Ob die Therapie nur nichts nutzt oder vielleicht sogar schadet, ist ebenfalls nicht bekannt – mögliche Nachteile der fast immer scheiternden Gewichtsreduktion auf die emotionale Entwicklung des Kindes sind nicht ausgeschlossen.

Von den etwa 1 000 000 adipösen Kindern in Deutschland werden derzeit etwa 1,2 % in ambulanten Therapieprogrammen behandelt . Derartige Therapieprogramme für Kinder unter 6 Jahren stehen bisher nicht zur Verfügung.

Die Krankenkassen erstatten die Kosten einer Therapie derzeit nur in extremen Fällen, sowie bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Krankheiten.

Therapieziele. Oft steht die Reduktion des BMI im Vordergrund. Dazu reicht bei noch wachsenden Kindern in der Regel aus, das Körpergewicht zu halten. Wichtiger sind aber auch bei Kindern positive Stoffwechseleffekte durch Umstellung der Ernährung und vor allem durch Bewegung.

Vor Diäten muss gewarnt werden. Dieses Prinzip versagt schon bei Erwachsenen, zudem ist wissenschaftlich bewiesen, dass Kinder, die ihr Übergewicht immer wieder mit Diäten bekämpfen, häufiger Essstörungen bekommen wie Bulimie oder Magersucht und insgesamt deutlich mehr an Gewicht zunehmen .

Medikamente und Formeldiäten spielen bisher keine Rolle in der Therapie des kindlichen Übergewichts. Die operative Therapie wie etwa ein Banding des Magens kann bei schwersten Formen nach Scheitern der konventionellen Therapie erwogen werden. Dass die Übergewichtschirurgie auch bei Jugendlichen wirksam ist, ist nachgewiesen; allerdings sind Komplikationen nicht auszuschließen.

Prognose

Adipositas bei Kindern hat langfristig die gleichen Folgen wie Adipositas bei Erwachsenen, manche Schäden treten schon im Kindesalter auf. Je früher im Leben die Adipositas beginnt, desto schwerwiegender sind die späteren Folgekrankheiten:

  • Bei immerhin einem Drittel der adipösen Kinder lassen sich Störungen des Zuckerstoffwechsels nachweisen, 1 % hat bereits einen Typ-2-Diabetes .
  • Fettstoffwechselstörungen liegen bei einem Viertel der übergewichtigen Kinder vor.
  • Auch psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten sind bei übergewichtigen Kindern häufiger (der ursächliche Zusammenhang ist allerdings wie bei Erwachsenen nicht gesichert).
  • Störungen im Hormonhaushalt: Die erste Regelblutung tritt wegen der vermehrten Östrogenproduktion im Fettgewebe früher ein, Zyklusstörungen sind häufig. Auch beschleunigt sich das Längenwachstum bei adipösen Kindern oft stark (da es aber früher zum Stillstand kommt, ist die Endgröße in etwa gleich).
  • Am Skelett drohen früh Überlastungserscheinungen, vor allem eine Ablösung der Wachstumsfuge des Oberschenkelkopfs (Wachstumsfuge) sowie eine Wachstumsstörung der Schienbeine mit Bildung von O-Beinen.

Vorsorge

Auch wenn inzwischen die Politik das Problem erkannt zu haben scheint: Für die Vorbeugung gibt es bisher kein Patentrezept.

Verhaltenspräventive Strategien (d. h. auf eine Änderung des individuellen Verhaltens zielende Maßnahmen) haben sich als ineffektiv erwiesen. Wenn überhaupt, sind dadurch nur motivierte Kinder aus besser gestellten Familien zu erreichen [Studien bei 233, 216]. Der für die mittleren bildungsbürgerlichen Schichten typische Essstil (regelmäßig Obst und Gemüse, wenig Fett, mäßig Fleisch) lässt sich kaum auf Familien mit niedrigem Bildungsstand übertragen .

Verhältnispräventive Strategien (d. h. auf eine Änderung der Verhältnisse zielende Maßnahmen, etwa im Bereich des Transportwesens, der Nahrungsmittelindustrie oder an Kindergärten und Schulen) sind bisher politisch kaum durchzusetzen.

Dem Resümee einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit ist deshalb leider zuzustimmen: „Es muss bald etwas getan werden, aber wir wissen nicht was.“

Die Präventionsfalle. Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist die Wahrnehmung der Eltern: Während die Gesellschaft kindliches Übergewicht immer stärker zum Thema macht, scheinen die Eltern in einer Art Wahrnehmungsfalle zu sitzen und das Übergewicht bei ihren Kindern nicht richtig einschätzen zu können. So unterschätzen nur 10 % der Mütter in Studien ihr eigenes Gewicht – dagegen unterschätzen 28 % das ihrer Kinder .

Kollateralschäden der Prävention? Die meisten Jugendlichen, die derzeit abnehmen wollen, erleben weder gesundheitliche noch kosmetische Vorteile, sehr wohl aber die mit vielen Diäten verbundenen Nachteile . Darüber hinaus hängt vor allem bei weiblichen Teenagern möglicherweise die Verbreitung des Rauchens mit dem Wunsch nach einem niedrigen Körpergewicht zusammen, denn Nikotin ist erwiesenermaßen ein effektiver Appetithemmer.

Weiterführende Informationen

  • www.a-g-a.de – Eine Übersicht über die derzeitigen ambulanten Therapieprogramme gibt die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Universität Witten-Herdecke.
  • www.bzga-essstoerungen.de/allgemeine-infos/zu_dick_oder_zu_duenn/ – Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, Köln): Mit BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche.
  • www.adipositas-gesellschaft.de (Rubrik Leitlinien) – Website der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e. V., Hamburg: Hier finden Sie die Leitlinie zur Vorbeugung und Behandlung der Adipositas im Kindes- und Jugendalter.
  • C. Graf et al.: Bewegungsmangel und Fehlernährung im Kindes- und Jugendalter. Folgen und Therapiemöglichkeiten. Deutscher Ärzte-Verlag, 2006. Aus interdisziplinärer Sicht werden Ursachen und Folgen von Übergewicht beschrieben, und hilfreiche vorbeugende Maßnahmen gegen Bewegungsmangel. Das Buch hat zum Ziel, den Teufelskreis des Dickseins zu durchbrechen, damit aus dicken Kindern nicht zwingend dicke Erwachsene werden. Empfehlenswert.